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Helfen und sich helfen lassen

Helfen und sich helfen lassen

Es ist ein schreckliches Gefühl, wenn man überzeugt ist, dass man eh keine Chance hat. Wenn man meint, sowieso nicht die richtigen Worte zu finden und besser den Mund hält. Wenn man sich verlassen fühlt. Wenn man immer einen Tick zu langsam ist. Wenn man einfach nicht mithalten kann. Oft hilft es dann nicht, sich einfach noch mehr anzustrengen, Dinge noch stärker erzwingen zu wollen. Manchmal hilft dann nur noch ein Blickwechsel – nicht mehr desselben, sondern etwas anderes zu tun. Zum Beispiel das Messen und Vergleichen mit denen, die mehr haben, schneller sind, Dinge besser können, aufzugeben und mich auf das zu besinnen was ich kann und was mir Freude macht. Oder mir nicht immer und jederzeit selbst zu helfen und alles im Griff haben zu wollen, sondern eingestehen, dass ich Hilfe brauche und mir helfen lassen. Oft sind dabei beide die Beschenkten – der, der sich helfen lässt und der, der seine Fähigkeiten einsetzen kann, um dem anderen zu helfen.

Und umgekehrt gilt auch: wer seine Kräfte für andere einsetzt, wer seine Mitmenschen wahrnimmt und sich von ihnen berühren und zum Handeln aus Liebe anstiften lässt, der wird bereichert, dessen Leben gewinnt an Sinn. Wer sich Zeit nimmt, für den, der Zeit und Zuwendung braucht, der hat seine Zeit sinnvoll eingesetzt. Und wer Rückgrat zeigt und den Mund aufmacht für andere, auch dann wenn es unbequem oder unpopulär ist, der lernt etwas vom Kostbarsten – den aufrechten Gang.

Kategorien:Freiheit, Lebenssinn Schlagwörter: , ,
  1. 6. Juli 2010 um 12:35

    Lieber Bernd,

    so ähnlich schrieb ich vor einer ganzen Weile über das heilsame und das zerstörerische Sich-Messen mit anderen. (http://klanggebet.wordpress.com/2010/03/01/warum-der-vergleich-dir-nicht-sagt-wer-du-bist/)
    Es gibt wirklich einen ganz heilsamen und schönen, freundlichen Blick auf den Anderen – das Sich Inspirieren und korrigieren lassen, das sich Anspornen lassen. Wie oft passiert das, dass man jemanden sieht, der ungeahnte Kräfte entfaltet, und dann bemerkt man plötzlich dass man das auch kann. Da darf man gern beherzt auf den Anderen sehen.
    Schlimm ist es ja wirklich nur, wenn man sich unter Leistungsdruck setzt, wenn man neidet, wenn man sich selbst konstruieren muss im Messen mit den vermeintlichen Errungenschaften des anderen. Das passiert meist weil wir gar nicht wissen wer wir sind. Oder weil wir uns Liebe erhoffen, die so eine Art „Lohn“ ist.
    Es ist immer wieder heilsam zu prüfen, wie wir eigentlich auf den Anderen blicken und was das in uns auslöst. Das ist am Ende dann auch die Frage nach Gemeinschaft oder Konkurrenz.

    herzliche Grüße und Danke für diesen schönen Text!

    Giannina

    • 6. Juli 2010 um 13:27

      Liebe Giannina,

      vergleichen und sich messen kann natürlich auch ein Ansporn sein. Ich finde grundsätzlich Ehrgeiz und Leistungswillen etwas sehr Positives. Das gilt natürlich im Sport, aber auch in anderen Bereichen. Es ist ein tolles Gefühl, wenn ich plötzlich merke, dass ich etwas auch kann, was ich mir vorher gar nicht zugetraut habe und dann stolz darauf sein kann, wenn der Blick auf den anderen mir hilft, dass eine Blüte mehr von mir sich entfalten kann. Aber wie du auch in deinem Blogbeitrag geschrieben hast, nehmen wir beim Vergleichen oft erst einmal wahr, was wir – scheinbar oder tatsächlich – nicht können, nicht haben und neigen dann zu Neid oder Minderwertigkeitsgefühlen. Oder wir benutzen den Vergleich, um uns als überlegen fühlen zu können. Und das ist dann ziemlich destruktiv. Es ist am Ende – das sehe ich auch so – immer wieder die Frage nach Gemeinschaft oder Konkurrenz. Danke auch für den Link zu Deinem Beitrag. Immer wieder erstaunlich, wieviel Gleichklang da ist bei ganz unterschiedlichem Hintergrund.

      Herzlich

      Bernd

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