Startseite > Theologie > Acedia – Trägheit des Herzens

Acedia – Trägheit des Herzens

Die Nacht ist vergangen, der Tag ist herbeigekommen. Lasst uns wachen und nüchtern sein und abtun, was uns träge macht …

Trägheit –

das ist der dunkle Mantel der Depression

die unheimliche Last eines Burnout

ein lähmendes Gefühl, das wir nicht einfach abschütteln können.

Trägheit –

das ist aber auch die Bequemlichkeit,

lieber nichts als etwas Falsches zu tun;

das resignative sich abfinden mit dem vermeintlichen Schicksal,

die Angst vor der Verantwortung,

die Weigerung, sich einzulassen,

Konflikte, Gemeinschaft, Kommunikation zuzulassen.

Diese Trägheit ist die Undankbarkeit gegenüber unserem Schöpfer –

die Undankbarkeit, die Möglichkeiten zu nutzen, die er uns gegeben hat.

Ein Merkmal des Trägen ist die Gleichgültigkeit.

Denken sie nur an die Geschichte von Jona,

der vor dem Auftrag Gottes flieht, weil er keine Scherereien möchte

und ihm das Schicksal der Menschen in Ninive letztlich egal ist.

Wie oft heisst es heute: das geht mich nichts an;

sollen doch andere schauen; da bin ich nicht zuständig;

die haben es nicht besser verdient; da kann man eh nichts machen. Steckt der träge Jona nicht auch in uns?

Das Gegenteil von Trägheit ist die Tapferkeit – der Mut zum Leben, hellwach zu sein und abzuschütteln, was uns träge macht.

Darum: neugierig bleiben, achtsam,

bereit sich einzulassen,

etwas zu erwarten,

wahrzunehmen,

zu staunen.

Damit die Trägheit weicht,

das bleierne Gewicht der Resignation,

und Türen sich öffnen.

Kategorien:Theologie Schlagwörter: , ,
  1. 2. September 2010 um 14:11

    Lieber Bernd,
    es ist interessant, dass Du Burnout und Depression in die Nähe von einer „sündhaften Trägheit“ rückst. Für mich, die ich meine Arbeit im weitesten Sinne als heilerisch begreife, stellt sich in der Tat oft die Frage, inwieweit Krankheiten auch von Entscheidungen getragen werden, die wir eben so fällen. Nach meiner Erfahrung treffen sich in Krankheit immer Ohnmacht aber auch Macht, Dinge die man nicht ändern kann und solche, die man durchaus ändern kann.
    Nach meinem Verständnis hat Burnout immer viel mit gefühlter Sinnlosigkeit zu tun. Mit Arbeiten jenseits von Sinn und Entfaltung. Viele Faktoren tragen heute dazu bei, dass Menschen unverschuldet an ihrer Entfaltung gehindert werden. Viele Faktoren tragen aber auch dazu bei, dass wir uns nicht genug um unsere Entfaltung bemühen. Mir behagt es nicht recht, das in die Nähe von „Sünde“ zu rücken, aber wenn ich den Begriff einfach mal als „Verantwortung“ lese, dann geht es schon viel leichter runter.
    Wichtig ist mir beim Hantieren mit solchen Begriffen, dass nicht einfach an Schuldgefühle appelliert wird. Das hilft nämlich keinem. Sondern dass an Verantwortlichkeiten und Möglichkeiten, an die innere Größe und Würde eines jeden appelliert wird. Das ist ja im christlichen Sündenverständnis leider deutlich zu kurz gekommen…..

    Sei ganz herzlich gegrüsst
    Giannina

    • 2. September 2010 um 14:41

      Liebe Giannina,

      vielen Dank für Deine Rückmeldung. Selbstverständlich will ich Burnout und Depression nicht in die Nähe sündhafter Trägheit rücken und erst recht nicht moralisieren. Ich verweise am Anfang ja auf Burnout und Depression als etwaws, das sich als Trägheit äussert, aber gerade nicht mit Sünde identifiziert werden darf. Das habe ich wohl zu wenig deutlich formuliert, weil es für mich einfach selbstverständlich ist. Dass auch hier Anteile vorhanden sein können, die Menschen selber beeinflussen und auf die wir achten sollten, ist eine wichtige Ergänzung in Deinem Kommentar.
      Die Verbindung von Sünde und Verantwortung gefällt mir und entspricht, glaube ich, dem, was ich meine. Ich hoffe, dass in der ganzen Reihe deutlich geworden ist, dass es mir überhaupt nicht um Schuldgefühle geht oder um moralische Beurteilung und Verurteilung. Es gibt eine hilfreiche Tradition in der reformatorischen Theologie, die besagt, dass Sünde nicht so sehr die einzelne böse Tat ist (da hat Luther ja sogar gesagt: sündige tapfer), sondern die Erfahrung der Trennung, der Trennung von Gott, aber auch der Trennung von mir selbst, meinem innersten Wesen. Und diese Spur wollte ich in meiner Reihe verfolgen, inwiefern es Dinge gibt in der Tradition der 7 Todsünden, die uns zeigen können, wo wir uns selber fremd werden, Gemeinschaft verunmöglichen und uns abschneiden von unserer Lebensquelle.

      Herzlich

      Bernd

  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: