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Im Flüstern eines sanften Windhauchs

Im 1. Königebuch, Kap.19, wird erzählt, wie der Prophet Elia in eine tiefe Lebenskrise gerät. Er hat genug davon, zu kämpfen und auf der Flucht zu sein und ist des Lebens müde. Viele Menschen kennen Zeiten in ihrem Leben, in denen es ihnen ähnlich geht wie dem Propheten Elia, der da unter einem Ginsterstrauch sitzt und nicht mehr weiter weiss. Auch wenn sie nicht gerade wie Elia des Lebens müde sind, so hat doch eine tiefe Müdigkeit oder Traurigkeit ihr Leben überschattet. Vielleicht ist etwas geschehen, was sie aus der Bahn geworfen hat, eine Krankheit, ein lieber Mensch, der ihnen weggestorben ist, eine grosse Enttäuschung, gescheiterte Pläne. Oder sie wissen gar nicht so recht, warum ihr Leben in eine Krise geraten ist, ihr Glaube so zerbrechlich geworden und die Sicherheit verschwunden ist. Manchmal versteht man das Leben auch einfach nicht mehr, hat das Gefühl, in dieser Welt nicht mehr mitzukommen oder fragt sich, warum und wozu man sich abmühen soll, welchen Sinn das Ganze macht. Ob mit oder ohne äussere Ursache – für die meisten Menschen gibt es Phasen in ihrem Leben, wo sie zutiefst verunsichert sind und sich müde und kraftlos fühlen. In solchen Zeiten kann die Geschichte des Propheten Elia, sein Weg durch die Wüste, uns eine Hilfe und eine Orientierung sein. Seine Schwäche kann uns helfen in unserer Schwäche und seine Gotteserfahrung kann in uns das Vertrauen wachsen lassen, dass sich auch uns Gott wieder neu zeigen wird, dass er uns begleitet und stärkt auf dem Weg durch die Wüste.

In den Zeiten unseres Lebens, wo wir uns müde und leer fühlen wie der Prophet Elia unter dem Ginsterstrauch, kann uns die Erinnerung ermutigen, wie Gott sich hier dem Elia zeigt und ihm aufhilft, damit er seinen Weg weitergehen kann. Nicht auf unwiderlegbare Gottesbeweise oder alles verändernde Wunder und Machterweise warten, sondern achtsam sein für die kleinen Zeichen göttlicher Zuwendung und Ermutigung – darauf kommt es an. Nicht dass plötzlich alles wieder anders wird, hell und klar, heil und unbeschwert, dürfen wir erwarten, aber dass uns jemand ein Stück Brot reicht und einen Schluck Wasser, damit wir aufstehen und ein Stück weitergehen können. „Steh auf und iss.“ sagt der Bote zu Elia. Und Elia isst und trinkt und legt sich wieder hin, um weiter zu schlafen. Und noch einmal redet der Bote zu ihm: „Steh auf und iss, denn der Weg, der vor dir liegt, ist weit.“ Er muss den Weg selber gehen und es ist ein weiter Weg. Niemand nimmt ihm diesen Weg auf wunderbare Weise ab. Aber er ist gestärkt. Jetzt kann er aufstehen und weitergehen. Doch Gott lässt ihm auch Zeit. Zweimal kommt der Bote zu Elia. Zweimal findet er Brot und Wasser neben seinem Kopf. Und kein Wort des Vorwurfes, weil er sich beim ersten Mal einfach wieder hingelegt hat. Ja, solche geduldigen und behutsamen Weggefährten, solche Botinnen Gottes, wünsche ich jedem von uns, wenn wir uns müde fühlen und nicht mehr weiter wissen. Kein Appell, doch mehr Gottvertrauen zu haben oder den Kopf nicht hängen zu lassen, sondern Worte des Verständnisses, kleine Zeichen der Zuwendung und des Trostes, vor allem aber Geduld mit unserer Schwäche. Es ist grossartig, wie hier beschrieben wird, wie Elia wieder die Kraft bekommt weiter zu gehen. Nichts Ausserordentliches geschieht – nur ein geröstetes Brot und ein Krug mit Wasser, wenige schlichte Worte, zwei Mal – und Elia spürt, dass er nicht verlassen ist. Lange noch geht Elias Weg durch die Wüste. Vierzig Tage und vierzig Nächte. Und nach diesen vierzig Tagen und Nächten sind seine Fragen noch immer nicht beantwortet. Doch dort am Berg Horeb macht er eine neue Gotteserfahrung. Er, der bisher auf göttliche Machterweise vertraut hatte, erkennt, dass Gott ihm weder im Sturmwind, noch im Erdbeben, noch im Feuer begegnet. Wir haben nicht vergessen, dass er auf dem Berg Karmel noch das Feuer als Gottesbeweis angesehen hat. Erst das Flüstern eines sanften Windhauchs lässt ihn sein Gesicht verhüllen. Es wird gar nicht ausdrücklich gesagt, dass sich Gott in diesem Flüstern zeigt. Aber dieses Flüstern eines sanften Windhauchs ist ein wunderbares Bild für die leise, schwebende, nicht festzuhaltende Gegenwart unseres Gottes. Es ist eine Einladung, sorgfältig zu achten auf die leisen Töne in unserem Leben, die kleinen Zeichen der Ermutigung am Wegesrand. Diese Bild lädt uns ein, auf die Stille zu achten und auf die Menschen, die uns begegnen wie ein Windhauch, die unscheinbaren und die behutsamen, die keine grossen Worte machen und keine grossartigen Versprechungen, die aber einfach da sind, wenn wir sie brauchen.

Manchmal mag es uns gehen wie dem Elia. Müde und leer sitzen wir da und wissen nicht so recht wie weiter. Unser Glaube ist nur noch ein kleines Flämmchen, unser Selbstvertrauen und unser Gottvertrauen nur noch ein glimmender Docht. Es gibt so Vieles, das uns ins Wanken bringen und uns aus der Bahn werfen kann. Möge dann jemand für uns da sein, der uns ein geröstetes Brot und einen Krug mit Wasser hinstellt. Ich wünsche uns, dass wir dann die Zeichen der Zuwendung, der Stärkung und des Trostes nicht übersehen, die Gott uns erfahren lässt. Warten wir dann nicht auf ein Wunder, das alles verändert, auf eine Glaubensgewissheit, die durch nichts zu erschüttern ist. Achten wir vielmehr auf die Zeichen der Stille, das Flüstern eines sanften Windhauchs. Wir müssen unseren Weg selber gehen. Aber mit Gottes Hilfe können wir ihn auch gehen. So wie Elia ihn gehen konnte, Schritt für Schritt, auch wenn er ihn noch lange durch die Wüste führte. Wir sind nicht allein. Gott geht mit uns. Er gibt uns Kraft. Darauf dürfen wir vertrauen.

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  1. Rosmarie
    31. August 2010 um 15:00

    Einfach wunderbar das Erleben von Elias. Es mag zutiefst zu trösten und ermutigen.
    Danke Bernd!

  2. 1. September 2010 um 18:11

    Wirklich wunderbar, dieses Flüstern eines sanften Windhauchs…

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