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Zum Ewigkeitssonntag

Die Dichterin Mascha Kaléko hat einmal geschrieben: „Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur,/ Doch mit dem Tod der anderen muss man leben.“ Wir müssen leben damit, dass jemand einfach nicht mehr da ist. Wir müssen leben mit all den Gefühlen, die der Tod eines Menschen bei uns auslöst. Wir müssen leben mit Trauer und Schmerz, mit Enttäuschungen und vielleicht auch Schuldgefühlen. Und jeder und jede kann das letztlich nur selber tun. Wir können einander diese Aufgabe zwar erleichtern, aber wir können sie dem anderen nicht abnehmen. Trotzdem ist es gut, wenn wir einander hie und da sagen: Du musst nicht nur, du kannst und darfst leben. Und wenn der Mensch, der gestorben ist, dich wirklich geliebt hat, hätte er oder sie bestimmt gewollt, dass du auch wieder lachen und dich freuen kannst, dass du dein Leben lebst – mit dem Bild des geliebten Menschen in deiner Seele.

Im Matthäusevangelium steht das Gleichnis von den 10 Jungfrauen. Eingeladen zum grossen Hochzeitsfest gehen sie mit ihren Lampen dem Bräutigam entgegen. Das grosse Hochzeitsmahl ist ein Bild für das Himmelreich, die Gegenwart Gottes ist ein Fest. Doch der Bräutigam und damit das Fest lässt auf sich warten. Und als er um Mitternacht endlich kommt, haben 5 von ihnen keine Ölvorräte mehr. Immer schon habe ich mich über die anderen 5 geärgert, die nicht bereit sind zu teilen und ich war etwas ratlos und entsetzt über die Härte des Bräutigams, der die Tür verschliesst und sagt: Zu spät! Gilt auch hier: „Das Leben ist nicht fair“ und „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“?

Wenn es wahr ist, dass Jesus uns hier und heute in unseren Mitmenschen begegnet, dann ist dieses Gleichnis auch eine Aufforderung, unser Zusammenleben so zu gestalten, dass wir uns um unsere Ölvorräte kümmern. Denn jeder Tod eines Menschen zeigt uns schmerzlich: die Zeit, in der wir einander Gutes tun, ein gutes Wort sagen können, die ist begrenzt. Jede Gelegenheit zur Liebe, zur Zärtlichkeit, zum Verzeihen ist unwiderbringlich und irgendwann sind alle Gelegenheiten vorüber. Ja, ich denke, dass dieses Gleichnis eine Einladung ist, die Gelegenheiten zur Liebe, zum Miteinander, zum Verzeihen und zum Neuanfang nicht ungenutzt verstreichen zu lassen. Seid bereit: nicht nur für den Moment, wo ihr euer Leben als Ganzes vor Gott legen werdet, sondern hier und heute in den unzähligen Gelegenheiten zur Liebe und zur Mitmenschlichkeit. Sorgt euch nicht nur um die materiellen Dinge oder um Ehre und Anerkennung. Sorgt euch vielmehr um das, was am Ende bleibt: Glaube, Hoffnung und Liebe. Auch der Tod eines lieben Menschen kann eine solche Gelegenheit sein, sich bewusst zu machen, was wirklich zählt, worauf es wirklich ankommt. Die Liebe, die wir in unseren Herzen tragen, hilft uns, das Bild des Verlorenen in unseren Herzen zu tragen und weiterzugehen in neue offene Lebensräume. Der Glaube, dass Gott unser Leben und unser Sterben umfasst, kann uns die Kraft geben, einen geliebten Menschen loszulassen ohne zu verzweifeln oder uns selber aufzugeben. Das Vertrauen auf Gottes grenzenlose Liebe kann uns befähigen zu verzeihen und ruhen zu lassen, was uns angetan wurde und es kann uns auch versöhnen mit uns selbst, wenn wir unsere Schuldgefühle unserem Gott anvertrauen. Das sind die Ölvorräte, die wir brauchen, die uns auch gegen Mitternacht, im tiefsten Dunkel unseres Lebens Licht geben. Gewiss: es gibt Zeiten in unserem Leben, wo unsere Lampen nur noch schwach glimmen, wo unser Glaube schwankt und wir kaum mehr sehen und kaum mehr glauben können. Dann dürfen wir – davon bin ich überzeugt – entgegen dem Gleichnis hoffen, dass es Menschen gibt, die uns durchtragen und uns etwas von ihren Vorräten abgeben. Und vor allem kann ich mir auch heute noch nicht vorstellen, dass der, auf den wir hoffen, jemandem so hartherzig die Tür weist, wie der Bräutigam im Gleichnis. Denn der Gott der Bibel ist ein Gott des Erbarmens und der Güte. Er will uns nicht zurücklassen in unserer Trauer. Er führt uns in neue , weite Räume und zuletzt in jenen Raum, in den uns die Verstorbenen vorausgegangen sind, wo alles Leid und alle Tränen abgewischt werden und der Tod seine Macht verloren hat.

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