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Banalisierung religiöser Symbole

Unter dem Titel „Das Abendmahl als Lachnummer“ schreibt der Theologe und ehem. Bischof von Berlin-Brandenburg und Ratsvorsitzende der EKD in der neuen Ausgabe der ZEIT (Nr. 48 v. 25. November) über die Verhöhnung dessen, was Christen heilig ist, in zeitgenössischen Operninszenierungen. „Der bewusste Tabubruch trägt seinen Wert anscheinend in sich selbst. Die Banalisierung religiöser Symbole ist keineswegs auf eine plausible Interpretation angewiesen“, schreibt Huber.

Es ist schon auffällig, dass einerseits mit der Begründung der Religionsfreiheit religiöse Symbole aus der Öffentlichkeit verdrängt werden, und gleichzeitig religiöse Symbole unter dem Vorzeichen hoher Kultur verhöhnt werden. Wohlgemerkt – ohne jegliche aufklärerische Absicht, sondern primär um den Unterhaltungswert zu steigern. Religionssatire als Angriff auf religiöse Bevormundung und religiöse Selbstverabsolutierung hatte ihr Recht und hat es heute noch, wo sie in aufklärerischer Absicht erfolgt. Es gibt durchaus auch heute noch Anlässe, religiöse Tendenzen mit Tabubrüchen zu entlarven. Und – wie Ulrich Schnabel einmal geschrieben hat – ist es nicht das schlechteste Kriterium, eine Religion daran zu messen, ob sie auch über sich selber lachen kann. Das ist aber etwas völlig anderes als die Verhöhnung dessen, was Menschen heilig ist.

Huber hat durchaus Recht, wenn er feststellt, dass heilig das Gegenteil von egal ist und Christen auffordert, ihre eigenen religiösen Überzeugungen und Gefühle wieder ernst zu nehmen. Dann könnte eine neue Diskussion in Gang kommen, was Menschen heilig ist und mit Respekt behandelt werden sollte. Und diesen Respekt einzufordern ist keinesfalls Humorlosigkeit, sondern sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Dabei geht es nicht um neue rechtliche Regelungen oder Blasphemieparagraphen. Worum es mir geht, ist ein Nachdenken über eine angemessene Kultur des Umgangs mit religiösen Symbolen und religiösen Gefühlen. Treffend schliesst Huber: „Der Islam kann schliesslich nicht zur einzigen Religion werden, mit der man in Deutschland respektvoll umgeht – und das auch noch aus Angst.“

Kategorien:Kultur Schlagwörter: ,
  1. auguste
    29. Dezember 2010 um 20:48

    Hat hier wirklich jemand den Eindruck, es werde respektvoll mit dem Islam umgegangen? Aus Angst auch noch? In der Schweiz werden Minarette verboten, wer ein Kopftuch trägt, steht sowieso unter Verdacht, und Frau Merkel hat den „mutigen“ Karikaturisten mit einem Medienpreis geehrt, der Mohammed mit einem Bombenturban in den Schmutz gezogen hat. Annemarie Schimmel, eine berühmte Islamwissenschaftlerin, hat schon vor 40 Jahren gewarnt, dass jede Gotteskritik im Islam erlaubt sei, aber Mohammed zu beschimpfen sein Herz verletze. In Europa darf man das, da gilt das als ein Ausdruck der Meinungsfreiheit, die als Freiheit offensichtlich eher ein Freibrief ist als eine mit Verantwortungsgefühl verbundene Würde.
    Mein Eindruck ist eher, dass der Islam, weil er eine Religion ist, die sich nicht versteckt, den allgemeinen religionsfeindlichen Tendenzen ganz besonders zum Opfer fällt, die auch die Christen betreffen.
    Sicher, wollte man Mohammed nackt über eine Bühne rennen lassen, fürchtet man zu Recht, man könnte Opfer von Aggressionen werden, die man bei entsprechenden Jesus-Darstellungen nicht zu erwarten braucht. Aber kann man das „Respekt“ nennen? Respekt vor religiösen Symbolen? Das ist doch bloß Angst vor der Drohung, die dahinter steht. Ich hoffe nicht, dass Sie (oder Huber) diese Art von Respekt wünschenswert finden.
    Die wenigsten Muslime können sich für Terrorismus begeistern – und die meisten sind dankbar, wenn jemand ihre Verletztheit versteht, auch ohne dass sie mit Mord und Totschlag zum Ausdruck kommt. Umgekehrt haben sie Verständnis und Mitgefühl für den Schmerz über die Verwilderung der Sitten, den Christen ertragen müssen. Es ist der gleiche Schmerz und der könnte verbinden.
    Es gibt auch Christen, die sich – ganz im Sinne des Ur-Islam übrigens – als Angehörige einer abrahamitischen Religion den anderen abrahamitischen Religionen verbunden fühlen und sich ihnen in Wort und Tat zur Seite stellen. Christlich-jüdische, christlich-muslimische Zusammenarbeit ist die bessere Antwort auf die allgemeine Respektlosigkeit vor der Verbindlichkeit einer Religion.

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