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Archive for Februar 2011

Nimm dich nicht so wichtig

26. Februar 2011 2 Kommentare

Das Gleichnis von der selbstwachsenden Saat aus Markus 4,26-29 ist der Predigttext für diesen Sonntag. Mir gefällt, wie uns dieses Gleichnis daran erinnert, den Dingen ihre Zeit zum Reifen zu lassen. Aber immer schon hat es mich geärgert, wenn dieses Gleichnis dazu benutzt wurde, die Hände in den Schoss zu legen und sich in vermeintlich fromme Passivität zurück zu ziehen.

Ora et labora – beten und handeln gehören zusammen und für die Balance von beidem gibt es kein allgemeingültiges Rezept. Was uns dieses Gleichnis zu sagen hat, hängt (wie natürlich bei jedem Text) mit unseren jeweiligen Lebensgeschichten und Lebenserfahrungen zusammen. Deshalb habe ich in meiner Predigt versucht, mehrere Stimmen zu Wort kommen zu lassen. Die Predigt ist hier zu lesen.

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Mose und der brennende Dornbusch

12. Februar 2011 3 Kommentare

An diesem Sonntag ist die Geschichte von Mose und dem brennenden Dornbusch als Predigttext vorgesehen. Dabei habe ich in meiner Predigt den fragenden Mose in den Mittelpunkt gestellt. Mose stellt Fragen. Gleich drei. Warum verbrennt der Dornbusch nicht? Wer bin ich? Was ist dein Name? Er fragt nach der Welt, die er wahrnimmt, nach sich selbst und nach Gott. Und es wäre gewiss nicht wenig, wenn dieser Predigttext auch uns zum Fragen verführen, das Fragen lehren würde. Mit drei Geschichten antwortet der Text auf die Fragen des Mose: mit der Dornbusch-Sage, mit der Berufung des Mose und mit der Offenbarung des Namens Gottes. Aber bevor Mose überhaupt fragen kann, muss er eine Grenze überschreiten, das Gewohnte verlassen und er muss achtsam sein. So lernt er zu staunen, zu fragen und dem, was ihm begegnet, sein Geheimnis zu lassen. Die Gottesbegegnung im brennenden Dornbusch macht ihn zu einem Beauftragten, der darauf vertrauen kann, dass Gott da ist, wenn er seinen Weg geht.

Die ganze Predigt ist hier zu lesen.

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Glück

10. Februar 2011 4 Kommentare

„Wenn man nur glücklich sein wollte, wäre das bald geschafft. Aber man will glücklicher sein als die anderen, und das ist fast immer schwierig, da wir die anderen für glücklicher halten als sie sind.“ (Montesquieu)

zit. nach Tomasz Kurianowicz, Schwierigkeiten mit der Freiheit, in: NZZ Nr. 29 v. 4.2.2011
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Erklärung von Christinnen und Christen zum Umbruch in Ägypten

8. Februar 2011 5 Kommentare

Weltweit verfolgen auch Christinnen und Christen die Demonstrationen in Ägypten mit grossem Interesse und grosser Anteilnahme. Was aber bisher fehlt – so weit ich informiert bin – ist ein deutliches Zeichen der Solidarität mit den Menschen, die sich derzeit in Ägypten für Freiheit einsetzen. Deshalb habe ich eine „Erklärung von Christinnen und Christen zum Umbruch in Ägypten“ formuliert und wünsche mir eine grosse Zahl von Unterstützerinnen und Unterstützern und ich hoffe, dass diese Erklärung in vielen christlichen Kirchen am kommenden Sonntag, 13. Februar verlesen wird.

Hier findet ihr die Erklärung und könnt sie durch drücken des „Like“-Buttons unterstützen. Danke!

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Ich habe einen Traum

Nachdem am Dientag, 8. Februar erneut eindrucksvolle und friedliche Demonstrationen den Freiheitswillen des ägyptischen Volkes unter Beweis gestellt haben, beruft der Ministerpräsident Israels Benjamin Netanjahu überraschend eine Pressekonferenz ein.

Netanjahu zeigt sich beeindruckt von den Demonstrationen und zollt der Tatsache Respekt, dass bisher keine Israelfahnen verbrannt und keine antiisraelischen Parolen skandiert wurden. Er erinnert an die begründeten Ängste der israelischen Bevölkerung, die Raketenangriffe und Terroranschläge nicht einfach vergessen kann. Er räumt aber auch ein, dass viele palästinensische Familien unermessliches Leid zu tragen haben. Aus Angst vor Terror und Gewalt habe Israel sich bisher einseitig an Stabilität orientiert.

Die Demonstrationen hätten ihm aber bewusst gemacht, dass nun ein vielleicht einmaliges „window of opportunity“ sich geöffnet habe. Israel suche den Frieden mit den arabischen Völkern und nicht nur mit deren Herrschern. Deshalb habe das Kabinett nach heftigen Diskussionen mit grosser Mehrheit beschlossen, einen sofortigen Siedlungsstopp auszurufen und Friedensgespräche ohne Vorbedingungen anzubieten unter Einschluss aller relevanten Kräfte. Auf Nachfrage eines Journalisten bestätigte Netanjahu, dass darunter, so schwer dies Israel falle, auch die Hamas zu verstehen sei.

Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Traum Wirklichkeit wird, ist ziemlich gering. Aber die Frage drängt sich auf, ob es sich nicht tatsächlich um eine historische Chance handelt, die ergriffen werden sollte.

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Irritationen II

»Was Gott verspricht, das muss das Leben halten« (Lou Andreas-Salomé)

… und kann es doch nicht …

Kategorien:Irritationen, Lebenssinn

Irritationen I

5. Februar 2011 3 Kommentare

Wer immer mit Gott lebt,

dem kann er sich nicht offenbaren.

Demokratischer Aufbruch oder islamistische Gefahr?

Seit Tagen blicken viele wie gebannt auf die Proteste in Ägypten. Bewunderung für den Mut und den Freiheitsdrang der Menschen, Empörung über das starre Festhalten Mubaraks an der Macht, über das Wüten bezahlter Schlägertrupps und Trauer um die Toten und Verletzten, aber auch die Unsicherheit, wie es weitergehen wird – all das bewegt mich. 

Im Blick auf die Unruhen in Ägypten wird inzwischen oft die Frage gestellt, ob es sich um einen demokratischen Aufbruch handelt oder die Welt sich eher vor einer islamistischen Machtübernahme zu fürchten hat. Ist die Parallele 1979 (Iranische Revolution) oder 1989 (Umbruch in Osteuropa)? Keine der beiden Optionen ist in der aktuellen Lage wirklich auszuschliessen (und da sich Geschichte bekanntlich nicht einfach wiederholt, gibt es noch viele andere Optionen).

Auf jeden Fall wird sich nun zeigen müssen, wie ernst das Angebot in Obamas Kairoer Rede war, der muslimischen Welt eine faire Partnerschaft anzubieten. Faire Partnerschaft heisst wohl heute, die Bündnisse mit Diktatoren aufzugeben und – ob es uns gefällt oder nicht – auch islamistische Strömungen in eine partnerschaftliche Zusammenarbeit einzuschliessen. In Ägypten wird es keinen tragfähigen Regimewechsel geben ohne Einbezug der Muslimbruderschaft. Dabei ist noch völlig offen, ob diese sich in Richtung der AKP in der Türkei entwickeln wird oder eher eine alleinige Machtausübung und die strikte Einführung der Scharia anstrebt. Das ist keine gemütliche Ausgangslage, aber so ist sie nun einmal. Nur das Angebot fairer Partnerschaft kann die Entwicklungen im positiven Sinn beeinflussen. Ein Festhalten an den Diktatoren oder die Unterstützung neuer halb- oder scheindemokratischer Strukturen wird die feindseligen Gefühle in der islamischen Welt gegenüber dem Westen nur verstärken.

Für Israel und für die Christen in der Region sind die Entwicklungen beunruhigend und gefährlich. Aber ein Festklammern an den verhassten Diktatoren macht die Situation langfristig nur noch schlimmer. Was wir Israel und den Christen in der Region schuldig sind, das ist ein entschlossenes Eintreten für das Existenzrecht und die Sicherheit Israels und für Religionsfreiheit. Die Unterstützung demokratischer Entwicklungen und wirtschaftlicher Perspektiven bildet dafür die besten Voraussetzungen. Und die Glaubwürdigkeit unseres Eintretens für Religionsfreiheit erweist sich an unserem Umgang damit in unserer eigenen Welt, im entschiedenen Widerspruch gegen islamophobe Tendenzen im Westen, im Umgang mit Migrantinnen und Migranten aus der islamischen Welt.

Demokratischer Aufbruch oder islamistische Gefahr – beides ist möglich. Wer aber die islamistischen Kräfte mit allen Mitteln ausschliessen und bekämpfen will, trägt am meisten zu einer islamistischen Gefahr bei.