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Irritationen I

Wer immer mit Gott lebt,

dem kann er sich nicht offenbaren.

  1. 6. Februar 2011 um 13:05

    Was ist für dich eine Offenbarung Gottes, lieber Bernd?

    • 6. Februar 2011 um 18:41

      Lieber Stefan,

      du stellst aber schwierige Fragen. Offenbarung ist tatsächlich ein ziemlich grosses Wort. Ursprünglich wollte ich formulieren „begegnen“ oder „sich zeigen“. Natürlich meine ich mit Offenbarung Gottes auch die grossen theologischen Aussagen, dass Gott uns in der menschlichen Geschichte Jesu begegnet. Aber mehr noch meine ich die Momente im Leben, wo ich eine tiefe Dankbarkeit empfinde und von Herzen sagen kann, dass mein Leben gesegnet ist und einen festen Grund hat. Oder ich meine die Momente, wo mir bei einem Satz ein Licht aufgeht und mir etwas bewusst und klar wird, was vorher verschwommen war. Oder ich meine die Erfahrungen, wo ich eine Kraft spüre, die nicht einfach meine eigene ist.
      Worauf es mir bei meiner Irritation ankommt, ist, dass ich überzeugt bin, dass sich Gott nur da „zeigen“ kann, wo wir nicht schon wissen, wie er sich zu zeigen hat. Es gibt ja die Haltung, dass es darauf ankäme, immer die Nähe Gottes zu suchen, mit ihm zu leben. Falsch ist das ja nicht, aber es ist mit der Versuchung verbunden, sich ein allzu klares Bild von Gott zu machen. Dabei kann die Fähigkeit, sich für neue Erfahrungen und innere Wandlungen zu öffnen, auf der Strecke bleiben (ganz abgesehen von einem manchmal uneingestandenen Erwählungsbewusstsein, das seine problematischen Seiten hat). Ich finde es spannend, dass viele biblische Gotteserfahrungen ihren Platz in ganz alltäglichen Kontexten haben und immer das Moment der Überraschung und der Uneindeutigkeit haben. Mose begegnet dem Göttlichen beim Schafehüten am Rande der Wüste. Und alles was er dabei erfährt ist eine Zusage „Ich-bin-da“, auf die er sich nur verlassen kann, indem er den Weg geht. Jakob legt sich Schlafen und ringt im Traum eine Nacht lang mit einem Unbekannten, bis er erkennt, dass er es mit Gott zu tun hat. Und Elia liegt in tiefer Depression versunken und lebensmüde unter einem Ginsterstrauch, als ihm Wasser und Brot neue Kraft geben und er schliesslich – ganz gegen seine Erwartungen – die Erfahrung macht, dass ihm, dem Eiferer, Gott ihm im Flüstern eines sanften Windhauchs begegnet.

  2. 8. Februar 2011 um 18:08

    Vielen Dank für die ausführliche Antwort, lieber Bernd. Da steckt eine Menge Stoff für weitere Gedanken und Diskussionen drin…

    Deine Intention verstehe ich nun auch besser.

    Einen herzlichen Gruß an dich.

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