Gebet für Japan

Seit etwas mehr als einer Woche verfolgen viele von uns mit grosser Anteilnahme, aber auch mit Angst und Schrecken die Ereignisse in Japan. Morgen werde ich auch den Sonntagsgottesdienst in unserer Kirchgemeinde dem Gebet für die Menschen in Japan widmen.

Die Frage der Schriftgelehrten nach einem Zeichen aus Mt 12,38-42 ist der Bibeltext für diesen Sonntag. Mit dem rätselhaften Hinweis auf das Zeichen des Jona antwortet Jesus den Schriftgelehrten. Drei Dinge sind es, die ich heute in diesem Text höre:

1. Es gibt kein Zeichen. Wer aus den Ereignissen in Japan Weltuntergangsszenarien ableiten möchte oder darin die Erfüllung apokalyptischer Prophezeiungen sieht, hat nichts verstanden. Deshalb bin ich auch froh, dass solche Deutungen in den letzten Tagen nicht zu hören waren. Was hier geschieht, fordert nicht Deutungen, sondern Mitgefühl und Anteilnahme.

2. Der Hinweis auf Jona bedeutet für mich eine Frage an unseren Lebensstil. Welche Risiken sind wir bereit einzugehen für unseren Lebensstil, unseren grenzenlosen Hunger nach billiger Energie? Ist es nicht höchste Zeit für einen Wandel unseres Lebensstils? Diese Fragen sind wichtig, auch wenn angesichts des unermesslichen Leids, die Ereignisse in Japan nicht einfach für unsere Energiedebatten eingespannt werden dürfen.

3. Das Zeichen ist der Menschensohn, also Jesus selbst in seiner Hingabe und seinem Leiden. Und das Zeichen sind wir selbst, wo wir uns berühren lassen vom Leid, wo wir solidarisch werden und uns mit Lebensmut und Hoffnung erfüllen lassen.

 

Diese Anteilnahme in Worten und Taten steht im Moment im Vordergrund. Zuhören, was die Menschen in Japan selbst zu sagen haben, ist dabei vielleicht der beste Weg. Deshalb werde ich in meiner Predigt Passagen aus dem Tagebuch der Pfarrerin der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde in Tokio und Yokohoma Elisabeth Hübler-Umemoto weitergeben, die aus ihrem Blog aus Japan stammen. Den Hinweis darauf verdanke ich Wolfgang Vögele.

Ihre Gedanken und Erfahrungen können uns einen Einblick geben, wie Menschen in Japan diese furchtbaren Ereignisse, das Leid und die Angst erleben. Was bleibt uns, die wir das Geschehen nur hilflos aus der Ferne mitverfolgen können? Mit Spenden und mit Gebeten können wir den Menschen in Japan verbunden sein. Wir können die Ereignisse zum Anlass nehmen, unseren eigenen Lebensstil und unseren Energiehunger zu überdenken und uns fragen, welche Risiken wir dafür in Kauf nehmen und unseren Kindern und Enkeln aufbürden wollen. Wir können uns besinnen auf das eigentlich Wichtige: die anderen Menschen, die Beziehungen, das miteinander Teilen von Gedanken, Gefühlen. Wir können beten um die Gegenwart Gottes, die uns Kraft und Gelassenheit gibt, uns begeben in die Obhut des Unverfügbaren. 

  1. Du hast noch keine Kommentare.
  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: