Macht Glauben glücklich?

Unter diesem Titel ist in der ZEIT ein Interview mit dem Theologen Heinrich Bedford-Strohm erschienen, das ich nur empfehlen kann. Darin sagt Bedford-Strohm u.a.: „Der Erlanger Glücksforscher Karl-Heinz Ruckriegel hat einmal verschiedene Ratschläge zum Glücklichsein gegeben, die alle die Relevanz des christlichen Glaubens unterstreichen. Etwa: Üben Sie Dankbarkeit! Dankbarkeit ist geradezu der Kern des christlichen Verhältnisses zum Schöpfer. Oder: Lernen Sie zu vergeben! Das gehört zum Kern des Vaterunsers, die Fähigkeit zur Selbstkritik und zur Erkenntnis der eigenen Schwächen. Oder: Leben Sie im Hier und Jetzt! Da denkt man gleich an die Vögel in der Bergpredigt, die weder säen noch ernten, aber ihr himmlischer Vater ernährt sie doch. Wenn also die Botschaft des Evangeliums in einer Form vermittelt wird, die den modernen Menschen berührt, dann wird Kirche zur Orientierung für das persönliche Leben heute.“

Dabei will Bedford-Strohm den Glauben keinesfalls als nützliche Strategie zum Glück verkaufen. Er hält vielmehr daran fest, dass Glauben nicht nutzenorientiert ist und die Kirche auch keine Bundesagentur für Werte sein kann. Spannend finde ich aber, wie es ihm gelingt, hier Parallelen zwischen uralten biblischen Geschichten und Glaubenseinsichten mit den Ergebnissen eines Glücksforschers in Verbindung zu bringen. Es gilt, das Schwierige leicht zu sagen – und das ist eine hohe Kunst.

Welches sind eure biblischen Motive und Geschichten, welches wären eure einfachen Sätze, die für moderne Menschen eine gute Botschaft und eine Lebenskraft sein könnten? Ich bin gespannt auf eure Gedanken und Anregungen.

  1. auguste
    8. April 2011 um 08:30

    Glauben heißt Vertrauen. Vertrauen heißt anzunehmen, hinzunehmen, sich dem zu ergeben, dass es mehr gibt, als wir wissen und denken können. Es geht nicht nur um christlichen Glauben, das begrenzt auch diese Frage wieder nur auf den eigenen Horizont. Es geht um Glauben an sich. Es geht auch nicht um Glauben an ein Objekt, an Gott oder an weiße Mäuse, nicht das Objekt macht den Glauben, sondern die Haltung, die Bereitschaft, das Undenkbare gelten zu lassen, was immer es sei.

    • 8. April 2011 um 09:02

      Grundsätzlich kann ich Ihnen zustimmen. Wie ich schon des Öfteren geschrieben habe, lehne ich christliche und andere Absolutheitsansprüche ab und trete für Toleranz und Dialog zwischen unterschiedlichen Glaubensweisen und Religionen ein. Auch für mich hat die Glaubenshaltung – theologisch gesprochen die fides qua – Vorrang vor den konkreten Glaubensinhalten (fides quae), die historisch wandelbar und kulturabhängig sind. Allerdings muss sich ja auch die Glaubenshaltung auf irgend etwas richten, soll sie nicht abstrakt und konturlos werden. Heinirich Bedford-Strohm macht seine Aussagen aus einem spezifischen christlichen Horizont – im spürbaren Wissen darum, dass die Wirklichkeit (schon innerhalb des Christentums und erst recht darüber hinaus) erheblich weiter und grösser ist als sein eigener Horizont. Und ich denke, dass es in genau dieser Haltung möglich und sogar geboten ist, konkrete Glaubensaussagen zu machen und den eigenen Horizont zu beschreiben – weil es hinterm Horizont noch mehr gibt. Dazu gehört aber auch die Bereitschaft zum Dialog, weil andere mir in ihrem Horizont etwas zeigen können, was ich selbst nicht zu sehen vermag.

  2. auguste
    8. April 2011 um 09:37

    „Und ich denke, dass es in genau dieser Haltung möglich und sogar geboten ist, konkrete Glaubensaussagen zu machen und den eigenen Horizont zu beschreiben – weil es hinterm Horizont noch mehr gibt. Dazu gehört aber auch die Bereitschaft zum Dialog, weil andere mir in ihrem Horizont etwas zeigen können, was ich selbst nicht zu sehen vermag.“

    Tiefer Glaube fragt nicht mehr, er lässt einfach gelten. Thomas braucht Beweise, Erklärungen, Dialoge, Jesus brauchte sie nicht. Er hat es sogar gewagt, von Gott verlassen zu sein.

  3. Rosmarie
    8. April 2011 um 10:12

    Lieber Bernd,
    Danke herzlich für Deine Anregung! Ich fand in der christlichen Bibel eine Fülle von Bildern und Geschichten die mich glücklich machen und von allgemeiner Gültigkeit sind.Zum Beispiel:
    Sämann-Samenkorn-Frucht.Heimat-heimatlos.Quelle-dürres Land.Schöpfung-schaffen.Sabbat-ruhen.Arche-Regenbogen.Mammon-die Vögel,die Blumen.Schatzgräber-Schatz.Arche-Regenbogen.Hirt-Schafe.Tod und Leben.Grünen-welken.Licht und Finsternis.Tag und Nacht.Fischer.Sturm auf dem See.Herr und Knecht. Weg und Wüste.
    Licht und Schatten.Baum gepflanzt an Wasserbächen:
    Der Reichtum an bildhaften Aussagen und Wahrheiten ist gross und damit zu leben macht glücklich.

    • 8. April 2011 um 10:56

      Liebe Rosmarie,
      danke für Deinen Kommentar. Ich denke auch, dass es vor allem die biblischen Bilder und Geschichten sind, die mit ihrem Reichtum unseren Horizont weiten und unser Leben bereichern können, weil wir sie mit unseren Lebenserfahrungen verbinden können.

      Herzlich
      Bernd

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