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Den Menschen nicht aus dem Blick verlieren

Da stirbt einer wie ein Verbrecher am Kreuz. Schaulustige stehen ringsum und treiben mit dem Geschundenen und Todgeweihten ihren Spott. Der aber vergibt noch im Sterben seinen Peinigern. Er solidarisiert sich mit seinem Leidensgenossen und tröstet ihn. Und am Ende kann er schliesslich loslassen, sein Schicksal in Gottes Hand legen. Es ist eine zutiefst menschliche Szene, die das Lukasevangelium in seiner Passionsgeschichte erzählt. Und diese Menschlichkeit wird noch unterstrichen dadurch, dass der römische Hauptmann, der sich von dieser Szene berühren lässt, über Jesus sagt: „Fürwahr, dieser ist ein frommer Mensch gewesen.“ Im Matthäus- und im Markusevangelium heisst es in der selben Szene „dieser ist Gottes Sohn gewesen“.

In meiner Karfreitagspredigt weise ich auf diesen wichtigen Unterschied hin. Sie ist als Dialog einer Frau namens Ruth mit dem Verfasser des Lukasevangeliums angelegt. Dabei lege ich Lukas u.a. Folgendes in den Mund:

„Meine Grundüberzeugung, meine Glaubenseinsicht ist: Wer Gott erkennen will, der darf den Menschen nicht aus dem Blick verlieren. „Sohn Gottes“ aus dem Munde eines römischen Hauptmanns, das lässt mich an den Kaiser denken, der sich ja als Sohn Gottes feiern liess. Manche von uns sind dafür gestorben, dass sie sich an dieser Gotteslästerung nicht beteiligen wollten. Aber wenn wir Gott in Jesus erkennen sollen, dann steht mir das Bild des gekreuzigten Menschen vor Augen, des leidenden Gerechten. Dieser Anblick berührt mich, erfüllt mich selbst mit Mitgefühl und Anteilnahme – am Geschick Jesu, aber auch am Geschick all der Menschen, die leiden müssen, die ein Kreuz zu tragen haben. „Ein frommer Mensch“, das ist sicher nicht alles, was man über Jesus sagen kann, aber wer mit den grossen Worten beginnt, vergisst allzu leicht die kleinen, alltäglichen Dinge. Und unseren Glauben können wir gar nicht anders leben als in der kleinen Münze alltäglicher Anteilnahme, Fürsorge und Liebe.“

Die ganze Predigt ist hier zu lesen.

Kategorien:Gottesbilder, Liebe, Predigt, Sterben, Vergebung Schlagwörter: , ,
  1. Rosmarie
    22. April 2011 um 19:55

    Trotz Todesschmerzen für die zusätzlich quälenden Spötter zu beten und am Ende sein Leben in Gottes Hand legen und loslassen können, denke ich, war für Jesus nur möglich in absolutem Vertrauen auf seinen Vater, obwohl ihn dieser trotzdem sterben lässt.

  2. Theodora
    23. April 2011 um 19:05

    „…Gott fordert nicht diesen Tod, er erduldet ihn eher – aus Liebe.Und er überwindet ihn an Ostern.“
    Das sind für mich die entscheidenden Worte!

    „Nie sind diese Arme offener gewesen als am Kreuz.
    Der eine Arm für die Vergangenheit, der andere für die Zukunft.
    Eine Umarmung der Vergebung für jeden, der kommen will.“
    Max Lucado

    Ein frohes Osterfest wünscht
    Theodora!

    • 23. April 2011 um 19:43

      Liebe Theodora,

      das wünsche ich Dir auch – mit vielen Hoffnungszeichen und Sonnenstrahlen!

      Herzlich Bernd

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