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Aus der Hoffnung entsteht Veränderung

„Wir brauchen den Glauben an das Unwahrscheinliche, damit Veränderung noch möglich ist“  heisst es im Leitartikel von Carolin Emcke in der Osterausgabe der ZEIT. Sie schreibt: „In diesen Tagen erinnern jüdische und christliche Gläubige an zwei Erzählungen, die ihnen jeweils den Triumph des Unwahrscheinlichen über das Wahrscheinliche bedeuten. An Pessach feiern Juden den Auszug des jüdischen Volks aus Ägypten und damit die angekündigte Befreiung aus Sklaverei und Knechtschaft, an Ostern feiern Christen die Auferstehung Jesu Christi und damit die versprochene Vergebung ihrer Sünden. (…) Es sind Geschichten, an die Jahr für Jahr in Familien und Gemeinden erinnert wird, die dort nachgelebt werden, weil mit diesem Ritual auch der Glaube an die Hoffnung weitergereicht wird von Generation zu Generation, wie ein Laib Brot, von dem sich jeder ein Stück bricht, Hoffnung auf Befreiung oder auf Erlösung. So schreiben sie sich ein, die Geschichten, in das innere Repertoire, aus dem sich schöpfen lässt in finsteren Zeiten.“

Sie fragt, was all das mit unserer nachmetaphysischen Zeit zu tun hat und gibt die bedenkenswerte Antwort: „Weil diese Geschichten daran erinnern, dass wir, individuell oder kollektiv, immer nur mit einem utopischen Vorgriff leben können, dass wir auf einen Horizont hin ausgerichtet sein müssen, der das überschreitet, was ist. Es braucht den Glauben an das globale Wir, auch wenn es erst im Entstehen begriffen ist. Es braucht den Glauben an das Unglaubliche, das Trotzdem, das sich in einer trostlosen Gegenwart den Widerständen der herrschenden Ideologien widersetzt, es braucht die Hoffnung auf das, was der Philosoph Ernst Bloch das »Noch-Nicht« nennt – sonst ist Veränderung nicht möglich. Sonst lässt sich aber auch die Gegenwart auf Dauer kaum aushalten.“

Und weiter: „Das Undenkbare ist wieder denkbar geworden, die zynische Schwerkraft all derer in Politik und Medien, die Utopien nur nach ihrer Wahrscheinlichkeit beurteilen und verwerfen wollten, ist gebrochen. Denen, die ihre Chancen nicht mathematisch kalkulieren, die ihrem Denken keine Grenzen setzen, die ihren Glauben nicht an der Wahrscheinlichkeit ausrichten, ob in China oder Iran, in Syrien oder Japan, gebührt nicht nur Respekt, ihnen gebührt auch Dank. Und wir sollten ihre Geschichten erzählen an diesen Tagen zu Pessach und Ostern, an denen wir uns an die großen alten Erzählungen der Hoffnung erinnern.“

Begreifen werden wir nie, was damals an Ostern geschehen ist. Aber wir können staunen und uns berühren lassen von der verändernden Kraft der Hoffnungsbotschaft von Ostern. Denn in dieser Botschaft liegt eine ungeheure Kraft gegen den Zynismus des Unabänderlichen, eine Lebendigkeit, die schon in diesem Leben den Tod überwindet. Wer die Hoffnung verloren hat, der ist wie lebendig begraben, eingesperrt in der Grabeshöhle des Berechenbaren. Ja, die Ostergeschichte, all die Geschichten der Hoffnung sind wirklich wie ein Laib Brot, den wir weitergeben und von dem wir uns ein Stück abbrechen können – und der dadurch nicht weniger wird. Die Wahrheit von Ostern spiegelt sich in den Ereignissen in Tunesien und Ägypten und an all den anderen Orten, wo Menschen sich nicht mit dem Bestehenden abfinden und aufstehen für eine gerechtere und menschlichere Zukunft. In diesem Licht können wir in diesem Jahr die Osterbotschaft hören. Sie kann bei uns den Mut und die Kraft erwecken, statt der Verteidigung des Bestehenden den Einsatz für eine bessere Welt für alle zu wagen.

  1. auguste
    24. April 2011 um 12:25

    Ist nicht die Existenz der Offenbarung allein schon die Aufforderung zum „utopischen Vorgriff“, die Aufforderung dazu, „auf einen Horizont hin ausgerichtet zu sein, der das überschreitet, was ist“? Meint das „Paradies“ etwa eine andere Adresse oder ein anderes Datum – oder nicht viel eher eben das, was jenseits der in Planquadrate eingeteilten Wahrscheinlichkeit als Verheißung liegt?

    • 24. April 2011 um 13:03

      Da kann ich durchaus zustimmen. Danke für den Kommentar.

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