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Unser Lebenshaus bauen II

Am Ende der Bergpredigt Jesu im Matthäusevangelium Kap. 7 heisst es: „Jeder, der diese meine Worte hört und danach handelt, ist einem klugen Mann gleich, der sein Haus auf Fels gebaut hat.“ Unser Leben als ein Haus, das auf Felsen gebaut ist und in allen Stürmen Bestand hat – dieses Bild spricht eine tiefe Sehnsucht in uns an. Je stärker unser Leben von Erfahrungen des Wandels und der Instabilität geprägt ist, desto mehr sehnen sich viele Menschen nach Stabilität, Halt und Sicherheit. Gerade darin liegt aber auch das Gefährliche dieses Bildes. Es könnte die falsche Illusion wecken, es gäbe eine Möglichkeit, den Wandel und die Instabilität einfach aufzuhalten. Und dann bauen wir unser Lebenshaus statt auf felsigem Grund auf falschen Sicherheiten.

Wir können den Grund unseres Lebenshauses nicht selber legen. Den felsigen Grund unseres Lebenshauses finden wir vor. Es ist nichts, was wir selber machen können, aber es ist auch keine Lehre oder Ideologie, in die wir uns bedingungs- und gedankenlos einfügen sollen. Ich sage das so betont, weil auch heute noch viele Menschen den christlichen Glaubensgrund mit einer feststehenden Lehre, mit einer Art Ideologie verwechseln.

Der Glaubensgrund, von dem Jesus redet, ist mehr ein Weg, der zu gehen ist, als ein Standpunkt, den wir einnehmen können. Jesus sagt: „Jeder, der diese meine Worte hört und danach handelt, ist einem klugen Mann gleich, der sein Haus auf Fels gebaut hat.“ Es geht ums Hören und Tun – nicht ums Jasagen. Und das, was zu hören und zu tun ist, das sind die Worte der Bergpredigt. Es geht um die Frage: in welchem Geist, in welcher Grundhaltung können wir eigentlich gut und sinnvoll leben. Und da hat die Bergpredigt in der Tat einiges zu bieten: Sie nennt die Menschen glücklich, die wir nicht unbedingt als erstes so bezeichnen würden – die Armen, die Trauernden, die Gewaltlosen, die Barmherzigen, die Friedensstifter. Sie fordert auf zum radikalen Verzicht auf Gewalt und Vergeltung. Sie lädt uns ein zum vertrauensvollen Beten zu einem Gott, der sich Vater nennen lässt. Sie führt plastisch vor Augen, dass der, der sein Leben auf seinen Besitz, sein Planen und Sorgen gründet, davon abhängig wird und sich sogar zum Sklaven machen kann. Sie lädt ein zur Grosszügigkeit und Barmherzigkeit gegenüber allen Menschen und fasst all dies zusammen in der goldenen Regel: „Wie immer ihr wollt, dass die Leute mit euch umgehen, so geht auch mit ihnen um.“ Das alles mag sich nicht nach einem stabilen Felsen anhören und doch gibt es unserem Leben mehr Stabilität und Grund als so vieles, von dem wir uns gewöhnlich Halt und Sicherheit versprechen.

Was wir brauchen ist ein Grundvertrauen in das Leben, das nicht von uns selbst abhängig ist. Dafür steht in unserem Glauben Gott ein, Gott, der Liebe ist und unser aller Leben hält und trägt. Was wir brauchen ist eine Ehrfurcht vor allem Lebendigen und eine Liebe zum Leben, die sich in Barmherzigkeit und Grosszügigkeit uns selbst und andern gegenüber zeigt. Haben wir nicht schon zu oft erfahren, dass die sogenannten harten Fakten das Leben eben eher hart als stabil und verlässlich machen? Könnte es nicht sein, dass es letztlich wirklich die weichen Dinge sind, die unser Leben kostbar machen und uns Halt und Sicherheit geben, die Achtsamkeit, die Fürsorge, die Liebe und vor allem das Vertrauen, das Vertrauen in den göttlichen Grund des Lebens und das Vertrauen ineinander?

Die vollständige Predigt ist zu lesen unter http://predigtkiste.blogspot.com/2011/08/predigt-zu-matth-724-27-am-28-august.html.

  1. 3. September 2011 um 14:35

    lieber bernd,
    ja, sehr wohltuend, darauf hinzuweisen dass man eine feste glaubensgrundlage nicht mit einer ideologie verwechseln sollte…das bild selbst finde ich für unsere bildwelt nahezu unglücklich…denn natürlich ist es ein fundament etwas nötiges, aber der stillstand, die bewegungslosigkeit darin kann jesus freilich nicht gemeint haben – und ganz sicher auch nicht die felsenharte unerbittlichkeit, die manch einer in eine glaubenslehre steckt. eine glaubensgewissheit ist für mich eher wie eine jurte 😉 ich nehme sie mit auf reisen, aber eigentlich nimmt sie mich mit, und ist mir ein zuhause wo immer ich sein darf.
    danke für diesen schönen artikel. ich wünsche dir ein erholsames wochenende und grüsse dich herzlich
    giannina

    • 3. September 2011 um 19:03

      Liebe Giannina,
      gerne gebe ich dir recht, dass das Bild vom Felsen, vom Fundament zumindest ambivalent ist. Das sehe ich – wie mein Beitrag ja zeigt – auch so. Das Positive, dass ich diesem Bild abgewinnen kann, sehe ich in einer inneren Gewissheit, die aber etwas anderes ist als ein felsenfester Standpunkt. Es ist ein Gefühl des Getragenseins und Beschirmtseins, dass mich auf der Wanderschaft begeleitet und mir innere Festigkeit gibt.
      Die Jurte als Bild gefällt mir auch gut. Oder ich denke an das Zelt, dass das Volk Israel als Wohnstätte Gottes mit sich herumgetragen hat. Wie oft täte uns etwas mehr „Zelterfahrung“ statt steinerner Gebäude ganz gut.

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