Startseite > Glaube, Gott, Kultur, Theologie > Rechtfertigung in Harvard

Rechtfertigung in Harvard

Meinem Kollegen Wolfgang Vögele verdanke ich den Hinweis auf eine spannende Rede des Schriftstellers Martin Walser. Gerne verweise ich auf seinen Blogeintrag unter dem Titel Rechtfertigung in Harvard.

Martin Walser reflektiert in seiner Rede das theologische Zentralthema der lutherischen und reformierten Kirchen – die Rechtfertigung – und er tut es als Schriftsteller, der auf anregende Weise literarische und theologische Traditionen in einen Dialog bringt.

Das ist anregend und intelligent – auch wenn man, wie ich, in vielerlei Hinsicht einen kritischen Blick auf Martin Walser werfen mag.

Kategorien:Glaube, Gott, Kultur, Theologie Schlagwörter:
  1. 14. November 2011 um 09:02

    Vielen Dank für den Repost. Ich finde auch, man muß Walser kritisch lesen, vor allem am Ende des Essays, wo sich vieles im Poetischen und Ungefähren verliert. Aber als theologischer Versuch ist es allemal interessant.

    • 14. November 2011 um 09:27

      Das Poetische und Ungefähre ist auch einer meiner Kritikpunkte. Zudem gibt es Passagen, die dann doch sehr nach Selbstrechtfertigung des Schriftstellers Martin Walser (oder mehr noch nach „Recht-haben-wollen“) klingen.
      Aber am meisten zum Widerspruch gereizt hat mich der folgende Satz: „Wenn, wie durch Luther geschehen, der Mensch schon durch Glauben und Buße und so weiter ein bisschen Anspruch auf Rechtfertigung erwerben kann, ist das kein Roman mehr, sondern eben Kirchengeschichte.“ Hier hat Walser das Denken Luthers in meinen Augen gründlich missverstanden. Da wird unter der Hand der Glaube (und die Busse) dann zu dem Werk, durch dass man sich die Rechtfertigung verdienen kann. Mit diesem Denken ist Walser gewiss nicht allein. Es wird aber dadurch nicht richtiger. Für Luther – wenn ich ihn richtig verstehe – ist der Glaube die Erfahrung des Gerechtfertigtseins und bildet nicht dessen Voraussetzung. Ob ich mir die Rechtfertigung durch den Glauben oder durch die guten Werke verdienen muss, das läuft letztlich auf dasselbe hinaus, weil lediglich eine Leistung durch eine andere ersetzt wird und das Gefühl, nicht zu genügen, bleibt. Das Befreiende an der Erkenntnis Luthers ist aber für mich gerade, dass auch der Glaube Geschenk ist und ich mich in diesem geschenkten Glauben als vom Rechtfertigungszwang befreit erfahren darf.

  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: