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Mystik – Sehnsucht nach dem Absoluten

Heute war eine Gruppe aus unserer Kirchgemeinde bei der Mystik-Ausstellung im Museum Rietberg in Zürich.

Als kleine Kostprobe aus dem Ausstellungskatalog zwei Passagen aus dem Beitrag von Hildegard Elisabeth Keller über Meister Eckhart:

Menschen sollen nicht daran denken, was sie tun, sondern bedenken, was sie sind. Im Handeln (im Sinne des selbstbestimmten Verfolgens von Zielen) liege kein Heil, sondern allein im Sein (im Sinne der Willenseinheit mit dem Ursprung, mit der Gottheit: man sol heilichkeit setzen ûf ein sîn. Deshalb schüttelt der Meister immer wieder den Kopf über Menschen, die ihn bitten: „Bittet für mich!“ Es ist, als ob er ihnen antworten wolle: „Was erwartest du von mir? Und was von Gott? Nimmst du ihn in einer solcherart begrenzten Weise, als wäre er ein Geschäftspartner, ist es so, „als ob du Gott nämest, wändest ihm einen Mantel um und schöbest ihn unter eine Bank“. Oder an anderer Stelle: Schaust Du Gott wie eine Kuh an? Liebst du ihn wie eine Kuh? „Die liebst du wegen der Milch und des Käses und deines eigenen Nutzens. So halten’s alle jene Leute, die Gott um äusseren Reichtums oder inneren Trostes willen lieben; die aber lieben Gott nicht recht, sondern sie lieben ihren Eigennutz.“ (S.76)

Und in Predigt 38 heisst es: „Wenn man mich fragte: Warum beten wir, warum fasten wir, warum tun wir alle unsere Werke, warum sind wir getauft, warum ist Gott Mensch geworden, was das Höchste war? – Ich würde sagen: darum, dass Gott in der Seele geboren werde un d die Seele (wiederum) in Gott geboren werde. Darum ist die ganze Schrift geschrieben, darum hat Gott die Welt und alle Engelsnatur geschaffen: auf dass Gott in der Seele geboren werde und die Seele (wiederum) in Gott geboren werde. (…) Alle zeit muss dort weg sein, wo diese Geburt anhebt, denn nichts gibt es, was diese Geburt mehr hindert als Zeit und Kreatur.“ (S.77)

Die Ausstellung zeigt mystische Traditionen im Christentum, Judentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus und Daoismus. Sie zeigt sowohl das Verbindende der mystischen Traditionen dieser religiösen Traditionen, aber auch deren Unterschiedlichkeit. Vor allem aber zeigt sie, wie sehr Mystik als individuelle Erfahrung ein Stück weit frei macht von institutionellen Einengungen und dogmatischen Fesseln. Zugleich aber sind alle grossen Mystikerinnen und Mystiker in ihrer je eigenen religiösen Tradition tief verwurzelt. Die denkerische Tiefe und der hohe Preis, den viele dieser Mystikerinnen und Mystiker für ihre Erfahrungen bezahlt haben, lässt erahnen, dass es sich in vielen heutigen esoterischen Lehren lediglich um Schrumpfformen des breiten Stroms der Mystik handelt.

  1. Tom
    11. Januar 2012 um 16:57

    Eine anregende und bisher einmalige Ausstellung zu diesem Thema. Schade, dass sie schon bald vorbei ist.

  2. Rosmarie
    14. Januar 2012 um 20:59

    „…dass Gott in der Seele geboren werde und die Seele in Gott“..geburtlich leben ….auf diesem Wege erwacht Verständnis für Menschen auf nicht christlicher Suchwegen mit denen wir zu tun haben. Im Dialog mit dem Andersdenkenden wird uns unsere persönliche Gottesbeziehung deutlicher und wenn wir offen sind können wir bestenfalls voneinander lernen ohne gegenseitig unsere verschiedenen Wurzeln zu missachten. Trotzdem kann ein Dialog mit einem nahen Menschen auch schmerzlich sein ,weil man sich in seiner Ueberzeugung nicht bestätigt fühlt und die innersten Gedanken des Andern,den man liebt ,nicht verstehen kann .Da muss man erst noch zur Toleranz der Liebe geboren werden und vieles was wir nicht verstehen offen lassen und den Weg des nahen Andersgläubigen respektieren und nicht behindern und auch allein unseren inneren Weg treu weiter gehn ..

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