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Archive for the ‘Evangelium’ Category

Den inneren Menschen erneuern

Im 2. Korintherbrief, Kapitel 4, Vers 16 schreibt Paulus: „Darum verzagen wir nicht: Wenn auch unser äusserer Mensch verbraucht wird, so wird doch unser innerer Mensch von Tag zu Tag erneuert.“ Es ist der Eingangsvers des heutigen Predigttextes. Inmitten all der Erfahrungen, die uns oft müde und verzagt machen, lenkt Paulus unseren Blick auf das Unsichtbare, auf den Lebensgrund, die Quelle aus der wir trinken. Wir brauchen für unser Leben einen inneren Kompass, eine heitere Gelassenheit, damit wir nicht müde und verzagt werden.

Solch heitere Gelassenheit kann wachsen aus dem Vertrauen, dass unser Leben in Gottes Hand steht. Sie kann ein innerer Kompass für unser Leben sein. Und weil wir nicht alles von diesem Leben erwarten müssen und weil auch nicht alles auf uns ankommt, können wir hier und jetzt das uns Mögliche tun und uns immer wieder neu auf das Wesentliche konzentrieren. Das müssen keine grossen Dinge sein.

Am Ende der Predigt habe ich den wunderbaren Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch zitiert. Vor Jahren beendete er – wohlgemerkt auf der Kleinkunstbühne und nicht auf der Kanzel – seine Auftritte mit einer kurzen Zugabe als Schlusspunkt:

Ich sah einen Mann

mit seiner Frau

Beide schon älter

Die Frau war blind

Der Mann konnte sehen

Er fütterte sie

Das ist alles

Gute Nacht.

Die ganze Predigt ist hier zu lesen.

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Immanuel

An Heiligabend predige ich in diesem Jahr über die Weihnachtsgeschichte aus dem Matthäusevangelium. Der Evangelist Matthäus erinnert sich in seiner Weihnachtsgeschichte an die alten Worte aus dem Buch des Propheten Jesaja: „Siehe, eine junge Frau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel.“

Eigentlich ist die Botschaft von Weihnachten ganz einfach: Gott nimmt unsere Schutzlosigkeit und Verletzlichkeit an. Und darum dürfen wir uns selbst annehmen, verletzlich und bedürftig wie wir sind. Gott findet keine Herberge in den Palästen unserer Grossartigkeit, aber er zieht ein in die Einfachheit unserer Herzen. Wer sein Herz öffnet, bei dem wird er Wohnung finden. Gott gibt jedem einzelnen Menschen eine unverletzliche und unverlierbare Würde. Auf diese Würde dürfen wir uns berufen und wir sollen sie achten bei allen Menschen und uns für die Würde jedes einzelnen einsetzen. Frieden kann werden, wenn wir uns von dieser Botschaft berühren lassen. Es braucht dann natürlich immer noch politische Klugheit im Grossen und alltägliches Bemühen und Arbeit im Kleinen, damit Frieden gelingen kann. Aber wo Menschen zulassen können, dass sie selbst bedürftig und verletzlich sind und dies auch anderen zugestehen, ja sich von ihrer Verletzlichkeit und Bedürftigkeit berühren lassen, da kann Frieden beginnen, da ist Gott mit uns und es kann Weihnachten werden.

Die ganze Predigt ist hier zu lesen.

 

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Schenken und sich beschenken lassen

Wer jenseits des ewigen Lamentos über den weihnachtlichen Konsumrausch Nachdenkenswertes zum Thema Gaben und Gegengaben sucht, dem sei der Leitartikel von Uwe Justus Wenzel ind der Weihnachtsausgabe der NZZ empfohlen (leider nicht online verfügbar). Er legt dabei auf vorzügliche Weise den christlichen Kern des Weihnachtsfestes frei.

„Die Geburt des Gottessohns, die die Christenheit alljährlich feiert, ist der – wenn auch für viele nurmehr sehr mittelbare – Anlass, um Geschenke zu machen. Und doch geht es, wenn eine laientheologische Mutmassung erlaubt ist, für Christenmenschen beim Weihnachtsfest im Grunde nicht so sehr um das selige Geben als vielmehr um das selige Nehmen, um das Annehmen eines Geschenkes, das ihnen Gott mit der Menschwerdung gemacht hat: das Geschenk des – erneuerten – Lebens. Nehmen sie es an – richtiger: geht ihnen auf, dass sie es angenommen haben -, dann machen sie damit dem, der es gegeben hat, ihrerseits ein Geschenk, das des Dankes und des Glaubens. Das ist eigentlich ganz einfach und ermangelt doch nicht der Subtilität.“

Jenseits aller dogmatischen Formeln bringt er das Geheimnis von Weihnachten auf den Punkt – das Geheimnis des geschenkten Lebens, dieses so verletzlichen, nackten und bedürftigen Lebens, das wir nur dankbar annehmen können.

Wenzel verweist auf das Weihnachtslied „Ich steh an deiner Krippe hier“ und meint dazu: „Christenmenschen sind im Lichte dieser Zeilen das gerade Gegenteil jener angeblich «edlen» – in Wahrheit grob undankbaren – Seelen, von denen Nietzsches Zarathustra stolz behauptet: «Sie wollen nichts umsonst haben, am wenigsten das Leben.» – Das Leben ist aber, christlich gedacht, genau das: umsonst, gratis, ein Geschenk des Himmels eben, das vom Umtausch freilich ausgeschlossen ist. Für seinen Empfang müssen seine Empfänger, für ihn können sie nichts tun.“ Und er schliesst: „Es spricht nichts dagegen, sondern alles dafür, den Dank für das Geschenk des Lebens auch durch das freigebige weihnachtliche Beschenken der Mitmenschen, nächster wie fernster, zu bezeigen.“

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Gott sei Dank, dass es euch gibt!

18. September 2011 1 Kommentar

Gott sei Dank, dass es euch gibt! Das ist für mich die Kurzfassung des Textes aus dem 1. Thessalonicherbrief, über den ich heute im Gottesdienst gepredigt habe. In den Worten des Paulus: „Wir danken Gott allezeit für euch alle und gedenken euer in unserm Gebet und denken ohne Unterlass vor Gott, unserm Vater, an euer Werk im Glauben und an eure Arbeit in der Liebe und an eure Geduld in der Hoffnung auf unsern Herrn Jesus Christus.“

Gott sei Dank, dass es euch gibt! schreibt Paulus – und dann erzählt er den Thessalonichern die Geschichte ihres Glaubens: wir wissen, schreibt er, und meint damit auch: Wisst ihr noch? Und diese kleine, unscheinbare Frage ist so wichtig. Aus jeder Partnerschaft kennen wir das, wie wichtig es ist, sich von Zeit zu Zeit zu erzählen, wie das am Anfang gewesen ist, wie die gemeinsame Liebesgeschichte begonnen hat. Oder einander zu erinnern, was der andere einem in dieser oder jener Situation bedeutet hat, von schönen gemeinsamen Erlebnissen und beglückenden Erfahrungen. „Weisst du noch?“ – diese Frage hilft uns, einander und vor allem das Gemeinsame und Verbindende nicht aus dem Blick zu verlieren. Im Glauben ist es eigentlich genauso. Weisst du noch, wie damals das Gebet deiner Mutter am Bett dich in Frieden hat einschlafen lassen? Weisst du noch, welche Menschen für dich vorbildlich im Glauben waren? Erinnerst Du dich noch daran, wo dein Glaube dich durch eine schwierige Zeit hindurch getragen hat? Spürst du noch die Dankbarkeit, die dich bei einem Sonnenuntergang oder auf einem Berggipfel erfüllt hat, dieses Gefühl, dass du all dies einer wunderbaren Schöpferkraft zu verdanken hast? Solche Erinnerungen in unserer Glaubensgeschichte helfen uns, das Wesentliche nicht aus dem Blick zu verlieren.

Die ganze Predigt ist hier zu lesen.

Unser Lebenshaus bauen II

28. August 2011 2 Kommentare

Am Ende der Bergpredigt Jesu im Matthäusevangelium Kap. 7 heisst es: „Jeder, der diese meine Worte hört und danach handelt, ist einem klugen Mann gleich, der sein Haus auf Fels gebaut hat.“ Unser Leben als ein Haus, das auf Felsen gebaut ist und in allen Stürmen Bestand hat – dieses Bild spricht eine tiefe Sehnsucht in uns an. Je stärker unser Leben von Erfahrungen des Wandels und der Instabilität geprägt ist, desto mehr sehnen sich viele Menschen nach Stabilität, Halt und Sicherheit. Gerade darin liegt aber auch das Gefährliche dieses Bildes. Es könnte die falsche Illusion wecken, es gäbe eine Möglichkeit, den Wandel und die Instabilität einfach aufzuhalten. Und dann bauen wir unser Lebenshaus statt auf felsigem Grund auf falschen Sicherheiten.

Wir können den Grund unseres Lebenshauses nicht selber legen. Den felsigen Grund unseres Lebenshauses finden wir vor. Es ist nichts, was wir selber machen können, aber es ist auch keine Lehre oder Ideologie, in die wir uns bedingungs- und gedankenlos einfügen sollen. Ich sage das so betont, weil auch heute noch viele Menschen den christlichen Glaubensgrund mit einer feststehenden Lehre, mit einer Art Ideologie verwechseln.

Der Glaubensgrund, von dem Jesus redet, ist mehr ein Weg, der zu gehen ist, als ein Standpunkt, den wir einnehmen können. Jesus sagt: „Jeder, der diese meine Worte hört und danach handelt, ist einem klugen Mann gleich, der sein Haus auf Fels gebaut hat.“ Es geht ums Hören und Tun – nicht ums Jasagen. Und das, was zu hören und zu tun ist, das sind die Worte der Bergpredigt. Es geht um die Frage: in welchem Geist, in welcher Grundhaltung können wir eigentlich gut und sinnvoll leben. Und da hat die Bergpredigt in der Tat einiges zu bieten: Sie nennt die Menschen glücklich, die wir nicht unbedingt als erstes so bezeichnen würden – die Armen, die Trauernden, die Gewaltlosen, die Barmherzigen, die Friedensstifter. Sie fordert auf zum radikalen Verzicht auf Gewalt und Vergeltung. Sie lädt uns ein zum vertrauensvollen Beten zu einem Gott, der sich Vater nennen lässt. Sie führt plastisch vor Augen, dass der, der sein Leben auf seinen Besitz, sein Planen und Sorgen gründet, davon abhängig wird und sich sogar zum Sklaven machen kann. Sie lädt ein zur Grosszügigkeit und Barmherzigkeit gegenüber allen Menschen und fasst all dies zusammen in der goldenen Regel: „Wie immer ihr wollt, dass die Leute mit euch umgehen, so geht auch mit ihnen um.“ Das alles mag sich nicht nach einem stabilen Felsen anhören und doch gibt es unserem Leben mehr Stabilität und Grund als so vieles, von dem wir uns gewöhnlich Halt und Sicherheit versprechen.

Was wir brauchen ist ein Grundvertrauen in das Leben, das nicht von uns selbst abhängig ist. Dafür steht in unserem Glauben Gott ein, Gott, der Liebe ist und unser aller Leben hält und trägt. Was wir brauchen ist eine Ehrfurcht vor allem Lebendigen und eine Liebe zum Leben, die sich in Barmherzigkeit und Grosszügigkeit uns selbst und andern gegenüber zeigt. Haben wir nicht schon zu oft erfahren, dass die sogenannten harten Fakten das Leben eben eher hart als stabil und verlässlich machen? Könnte es nicht sein, dass es letztlich wirklich die weichen Dinge sind, die unser Leben kostbar machen und uns Halt und Sicherheit geben, die Achtsamkeit, die Fürsorge, die Liebe und vor allem das Vertrauen, das Vertrauen in den göttlichen Grund des Lebens und das Vertrauen ineinander?

Die vollständige Predigt ist zu lesen unter http://predigtkiste.blogspot.com/2011/08/predigt-zu-matth-724-27-am-28-august.html.

Macht Glauben glücklich?

3. April 2011 5 Kommentare

Unter diesem Titel ist in der ZEIT ein Interview mit dem Theologen Heinrich Bedford-Strohm erschienen, das ich nur empfehlen kann. Darin sagt Bedford-Strohm u.a.: „Der Erlanger Glücksforscher Karl-Heinz Ruckriegel hat einmal verschiedene Ratschläge zum Glücklichsein gegeben, die alle die Relevanz des christlichen Glaubens unterstreichen. Etwa: Üben Sie Dankbarkeit! Dankbarkeit ist geradezu der Kern des christlichen Verhältnisses zum Schöpfer. Oder: Lernen Sie zu vergeben! Das gehört zum Kern des Vaterunsers, die Fähigkeit zur Selbstkritik und zur Erkenntnis der eigenen Schwächen. Oder: Leben Sie im Hier und Jetzt! Da denkt man gleich an die Vögel in der Bergpredigt, die weder säen noch ernten, aber ihr himmlischer Vater ernährt sie doch. Wenn also die Botschaft des Evangeliums in einer Form vermittelt wird, die den modernen Menschen berührt, dann wird Kirche zur Orientierung für das persönliche Leben heute.“

Dabei will Bedford-Strohm den Glauben keinesfalls als nützliche Strategie zum Glück verkaufen. Er hält vielmehr daran fest, dass Glauben nicht nutzenorientiert ist und die Kirche auch keine Bundesagentur für Werte sein kann. Spannend finde ich aber, wie es ihm gelingt, hier Parallelen zwischen uralten biblischen Geschichten und Glaubenseinsichten mit den Ergebnissen eines Glücksforschers in Verbindung zu bringen. Es gilt, das Schwierige leicht zu sagen – und das ist eine hohe Kunst.

Welches sind eure biblischen Motive und Geschichten, welches wären eure einfachen Sätze, die für moderne Menschen eine gute Botschaft und eine Lebenskraft sein könnten? Ich bin gespannt auf eure Gedanken und Anregungen.

Vom alltäglichen Guten

Im Markusevangelium (12,41-44) ist die Geschichte einer verarmten Witwe zu lesen, die ganz selbstverständlich gibt, obwohl sie nicht weiss, wovon sie danach leben soll.

Zuerst einmal sehen wir Jesus, wie er sich reichlich indiskret verhält. Er setzt sich einfach gegenüber vom Opferstock und sieht zu wie und was die Leute opfern. So etwas tut man ja eigentlich nicht. Oder hätten sie es vielleicht gern, wenn nachher am Ausgang jemand sässe und genau beobachtete, wie viel sie in den Opferstock einlegen? Mag sein, dass man zu Jesu Zeiten in Gelddingen etwas weniger diskret war als heute bei uns in der Schweiz. Aber natürlich geht es in der Geschichte auch um etwas ganz anderes. Jesus beobachtet, wie die Leute Geld einlegen und manche der Wohlhabenden zeigen sich sehr grosszügig. Und dann kommt diese arme Witwe. Zwei der kleinsten Münzen, die es gibt, legt sie ein. Das ist so gut wie nichts – aber es ist alles, was sie hat. Und darum lobt Jesus ihr Tun: „Diese arme Witwe hat mehr in den Gotteskasten gelegt als alle, die etwas eingelegt haben. Denn sie haben alle etwas von ihrem Überfluss eingelegt; diese aber hat von ihrer Armut ihre ganze Habe eingelegt, alles, was sie zum Leben hatte.“

Ich denke mir, dass diese Frau, hätte sie Jesu Worte mit angehört, vielleicht eher peinlich berührt gewesen wäre. Sie hat ja ihre zwei Scherflein nicht gegeben, um als Beispiel besonderer Frömmigkeit zu dienen, sich Jesu Lob zu verdienen. Sie hat wahrscheinlich nicht einmal das Gefühl gehabt, etwas Besonderes zu tun. Für sie war es die selbstverständlichste Sache der Welt. Sie geht zum Gotteshaus und sie trägt etwas zum Opfer bei. Das gehört sich so und das tut sie gern. Aber ich denke, dass sie sich ihrer Armut auch nicht schämt. Sie gehört dazu und sie ist nicht weniger wert als all die anderen. Und ich glaube, dass genau diese innere Haltung Jesus beeindruckt hat. In all ihrer Armut, mit all ihren Sorgen um das tägliche Brot, ist sie eine fröhliche Geberin. Jesus hält nicht viel von Spendenranglisten, die nur auf die grossen Zahlen achten. Aber ich bin mir sicher, dass er die Grosszügigkeit der anderen Opfernden auch nicht schlecht machen oder klein reden will. Nein, nicht erst wenn es einem selber weh tut, bekommen Gaben einen Wert. Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Aber eben auch eine fröhliche Geberin, die zwar wenig gibt, aber dies von Herzen.

Ich verstehe diese kleine Geschichte als ein Loblied auf die alltägliche, wie selbstverständlich gelebte Frömmigkeit, ein Loblied auf die Grosszügigkeit, zu der Menschen fähig sind und auf die Sorglosigkeit, die sich ganz Gott anvertraut. Diese Geschichte steht in einer Linie mit Jesu Wort in der Bergpredigt: „Sorget euch nicht um den morgigen Tag.“ Dort sind es die Lilien auf dem Felde und die Vögel unter dem Himmel, die uns als Vorbild vor Augen geführt werden. Oder ich denke an die Witwe von Zarepta – ebenfalls eine arme Witwe – die mit dem letzten was sie hat, sich und ihrem sterbenskranken Sohn eine kleine Mahlzeit bereiten möchte, bevor sie sich dann mit dem Tod abfinden will. Der Prophet Elia begegnet dieser Frau und bittet sie, zuerst ihm etwas zu essen zu bringen und verheisst ihr: „Das Mehl im Topf soll nicht verzehrt werden, und dem Ölkrug soll nichts mangeln bis auf den Tag, an dem der HERR regnen lassen wird auf Erden.“

Wenn ich an die Witwe und ihre zwei Scherflein denke, dann kommen mir Menschen in den Sinn, die heute ganz selbstverständlich ihren Glauben leben, eine stille und bescheidene Frömmigkeit, dann denke ich an Menschen, die ihren Beitrag leisten an die Sammlungen von BfA oder zu den sonntäglichen Kollekten. Ich denke an Menschen, die Zeit einsetzen für Menschen in ihrer Nachbarschaft. Ich denke auch an die vielen, die sich in unserer Kirchgemeinde freiwillig und ehrenamtlich engagieren. Auch hier gilt: es kommt nicht auf die Grösse der Spende, den Umfang des Einsatzes an. Eine fröhliche Geberin, einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Es muss nichts Grosses, nichts Besonderes, nichts Aussergewöhnliches sein. Wichtig ist, dass es von Herzen kommt und ich bin dankbar für jedes Engagement, jedes Zeichen der Liebe, des Mitdenkens, der Unterstützung für unsere Kirchgemeinde, für unser Gemeinwesen.

Ja es gibt auch unter uns solche armen Witwen, im wörtlichen und im übertragenen Sinn, Menschen, die im Stillen glauben, grosszügig sind, etwas von dem, was sie haben, materiell, aber auch an Zeit oder Fähigkeiten, an andere weitergeben, ohne davon viel Aufhebens zu machen. Es gibt Menschen, die ihre betagten Angehörigen zuhause pflegen und die diese zeitaufwendige und oft kräftezehrende Aufgabe mit viel Liebe und Einfühlungsvermögen leisten und ihren Angehörigen gerne diesen Dienst erweisen. Es gibt die Menschen, die immer wissen, wenn jemand krank oder einsam ist und die sich auf den Weg machen, um diese Menschen zu besuchen. Es gibt die, die anderen etwas abnehmen, einen Einkauf, einen Botengang, eine kleine Arbeit und vieles andere mehr. Andere widmen sich in ihrer Freizeit dem Samariterverein, der Feuerwehr, den Landfrauen oder kulturellen Vereinen und tragen etwas dazu bei, dass es sich bei uns gut leben lässt. Diesen guten Geistern, die meist im Verborgenen wirken, gilt Jesu Loblied auf die arme Witwe. Ohne sie wäre unser Leben viel ärmer, unsere Welt um einiges kälter. Sie zu achten und ihrem Vorbild zu folgen, das ist es, was Jesus uns nahe legen will.

Möge Gott uns Augen schenken, die das Gute sehen, das unter uns geschieht und möge er unsere Herzen und unsere Hände frei machen für das Gute, das wir tun können und möge er jedem von uns auch etwas vom Selbstbewusstsein dieser Witwe schenken, die so selbstverständlich und aufrecht das Ihre tut und von ihrem grossen Vertrauen, das sich darauf verlässt, dass ihr Gott schon für sie sorgen wird, seien die täglichen Sorgen auch noch so gross.