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Macht Glauben glücklich?

3. April 2011 5 Kommentare

Unter diesem Titel ist in der ZEIT ein Interview mit dem Theologen Heinrich Bedford-Strohm erschienen, das ich nur empfehlen kann. Darin sagt Bedford-Strohm u.a.: „Der Erlanger Glücksforscher Karl-Heinz Ruckriegel hat einmal verschiedene Ratschläge zum Glücklichsein gegeben, die alle die Relevanz des christlichen Glaubens unterstreichen. Etwa: Üben Sie Dankbarkeit! Dankbarkeit ist geradezu der Kern des christlichen Verhältnisses zum Schöpfer. Oder: Lernen Sie zu vergeben! Das gehört zum Kern des Vaterunsers, die Fähigkeit zur Selbstkritik und zur Erkenntnis der eigenen Schwächen. Oder: Leben Sie im Hier und Jetzt! Da denkt man gleich an die Vögel in der Bergpredigt, die weder säen noch ernten, aber ihr himmlischer Vater ernährt sie doch. Wenn also die Botschaft des Evangeliums in einer Form vermittelt wird, die den modernen Menschen berührt, dann wird Kirche zur Orientierung für das persönliche Leben heute.“

Dabei will Bedford-Strohm den Glauben keinesfalls als nützliche Strategie zum Glück verkaufen. Er hält vielmehr daran fest, dass Glauben nicht nutzenorientiert ist und die Kirche auch keine Bundesagentur für Werte sein kann. Spannend finde ich aber, wie es ihm gelingt, hier Parallelen zwischen uralten biblischen Geschichten und Glaubenseinsichten mit den Ergebnissen eines Glücksforschers in Verbindung zu bringen. Es gilt, das Schwierige leicht zu sagen – und das ist eine hohe Kunst.

Welches sind eure biblischen Motive und Geschichten, welches wären eure einfachen Sätze, die für moderne Menschen eine gute Botschaft und eine Lebenskraft sein könnten? Ich bin gespannt auf eure Gedanken und Anregungen.

Angesehen werden

In der heutigen Christnachtfeier habe ich einen Abschnitt aus dem Johannesevangelium und die lukanische Weihnachtsgeschicht als Predigttext gewählt. In Joh 3,16f. heisst es: „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.“

Diese Worte und die Geschichte aus dem Stall von Bethlehem sind für mich Urbilder der Menschlichkeit, der Liebe und Güte unseres Gottes. Sie lehren uns die Auflehnung gegen alles, was die Menschen zu austauschbarem Krempel macht. In diesem einen Kind sagt uns Gott: Du bist mir wichtig, du mit allem was zu dir gehört, mit deinen Macken, mit dem was dich bedrückt, mit allem was dich glücklich macht. Die Weihnachtsgeschichte leugnet das schreckliche Gefühl der Austauschbarkeit von Menschen nicht, aber sie setzt ihm etwas entgegen: die Liebe Gottes, die in diesem verletzlichen Kind in der Krippe lebt, mitten unter uns und von dem ein Licht ausgeht, das auch in unser Herz hineinleuchten kann. Lukas setzt nicht der idealen Kleinfamilie ein Denkmal, sondern er lässt das Heil Gottes hineintreten in das Leben ganz normaler, scheinbar austauschbarer Menschen, in einen schäbigen Stall, in einem schutzbedürftigen Kind. Gerade darum ist Weihnachten das Fest der Menschlichkeit, der gefährdeten, zerbrechlichen Menschlichkeit, der göttlichen Würde jedes einzelnen Menschen. Dieses Licht, das uns in der Weihnachtsgeschichte aufleuchtet, soll hineinstrahlen in unseren Alltag.

Die ganze Predigt ist zu hier zu lesen

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Einen Menschen lieben

26. September 2010 3 Kommentare

Einen Menschen lieben,
heißt ihn so zu sehen,
wie Gott ihn gemeint hat.
Fjodor M. Dostojewski

In diesem Satz von Dostojewski steckt eine tiefe Weisheit, denn dem, was Gott für seine Welt und für seine Menschen will, entspricht dieser liebevolle Blick auf die Mitmenschen. Jesus hat uns vorgelebt, was es heisst, Menschen so zu sehen, wie Gott sie gemeint hat. Deshalb hat er nicht gerichtet, sondern aufgerichtet, nicht verurteilt, sondern zur Umkehr eingeladen, nicht ausgegrenzt, sondern Gemeinschaft geschenkt. Davon leben wir und das sind wir einander schuldig.

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Der Weg der Liebe

  1. Korintherbrief, Kapitel 13

1 Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen rede, aber keine Liebe habe, so bin ich ein tönendes Erz, eine lärmende Zimbel. 2 Und wenn ich die Gabe prophetischer Rede habe und alle Geheimnisse kenne und alle Erkenntnis besitze und wenn ich allen Glauben habe, Berge zu versetzen, aber keine Liebe habe, so bin ich nichts. 3 Und wenn ich all meine Habe verschenke und meinen Leib dahingebe, dass ich verbrannt werde, aber keine Liebe habe, so nützt es mir nichts.

4 Die Liebe hat den langen Atem, gütig ist die Liebe, sie eifert nicht.
Die Liebe prahlt nicht,
sie bläht sich nicht auf, 5 sie ist nicht taktlos,
sie sucht nicht das ihre,
sie lässt sich nicht zum Zorn reizen,
sie rechnet das Böse nicht an, 6 sie freut sich nicht über das Unrecht, sie freut sich mit an der Wahrheit.
7 Sie trägt alles,
sie glaubt alles,
sie hofft alles,
sie erduldet alles.
8 Die Liebe kommt niemals zu Fall: Prophetische Gaben – sie werden zunichte werden; Zungenreden – sie werden aufhören; Erkenntnis – sie wird zunichte werden. 9 Denn Stückwerk ist unser Erkennen und Stückwerk unser prophetisches Reden. 10 Wenn aber das Vollkommene kommt, dann wird zunichte werden, was Stückwerk ist. 11 Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind, überlegte wie ein Kind. Als ich aber erwachsen war, hatte ich das Wesen des Kindes abgelegt. 12 Denn jetzt sehen wir alles in einem Spiegel, in rätselhafter Gestalt, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt ist mein Erkennen Stückwerk, dann aber werde ich ganz erkennen, wie ich auch ganz erkannt worden bin. 13 Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei. Die grösste unter ihnen aber ist die Liebe.
Übersetzung: Neuze Zürcher Bibel

Das Geheimnis des Lebens

Damit Liebe Liebe bleibt,
braucht sie immer auch das Geheimnis der Liebe.
Wenn Menschen wie ein offenes Buch füreinander sind,
geht die Liebe verloren.

Ich denke, das gilt auch für die Liebe zum Leben.
Das äusserliche Funktionieren des Lebens,
die Naturgesetze, sind eine Seite des Lebens,
eine wunderbare und zum Staunen einladende auf jeden Fall,
aber eine Seite, die nach Gesetzen und Regeln geordnet ist
und für die ich Gott nicht als Lückenbüsser brauche –
weder im Sinne des Kreationismus noch eines Intelligent Design.
Was wir in Bezug auf die Naturgesetze nicht erklären können,
darüber können wir nur schweigen.

Es gibt aber auch die Innenseite,
das Geheimnis des Lebens,
das nicht nach Gesetzen und Regeln zu erfassen ist.
Das Vertrauen, dass das Leben gut ist.
Das Staunen über die Schönheit und Vielfalt des Lebens.
Die Liebe zum Leben.
Das Wunder, dass etwas ist und nicht nichts.
Das Wunder der Liebe, der Begegnung, unserer Schaffenskraft.
Die Welt unserer Emotionen.
Das Unerwartete, Unberechenbare.

Gott steht für mich für dieses Geheimnis des Lebens,
seine Innenseite.
Die Seite desselben Lebens, die sich nicht einfach in Gesetze und Regeln fassen lässt.
Die Seite des Lebens, die Sinn entstehen lässt, Sinn, der sich jeweils mir zeigt.
Es gibt nicht einen Sinn des Lebens unabhängig von den Lebenden.
Aber es ist auch nicht so, dass ich den Sinn des Lebens mache.
Es ist wieder wie mit der Liebe:
der Mensch, den ich liebe, ist für mich der Wichtigste.
Er ist das nicht an und für sich, sondern für mich,
weil ich ihm diese Bedeutung gebe.
Sinn gibt es nicht objektiv und feststellbar,
er entsteht immer durch und in Beziehungen,
zu Menschen, zum Leben, zu Gott.
Sinnzuschreibungen entstehen aber auch nicht einfach willkürlich.
Sie entstehen, wo ich von etwas betroffen,
in meinem Innersten berührt bin.
Und das, was mich berührt, ist etwas ausser mir.
Ich kann es nicht feststellen, exakt beschreiben und erklären,
aber ich kann seiner Spur folgen
in der – manchmal schwankenden – Gewissheit,
dass ich in dieser Spur Sinn finde.

Keiner hat das Recht zu gehorchen

1. Juli 2010 2 Kommentare

Auszüge aus einem inspirierenden Artikel von Gottfried Hasenhüttl:
„Die Philosophin Hannah Arendt betont: Keiner hat das Recht zu gehorchen.
Da Gott, christlich verstanden, die Liebe ist, darf niemand einer Autorität gehorchen, die gegen die Nächstenliebe verstößt. Heilig ist die Liebe, die niemanden ausschließt, sondern Ungläubige und auch Feinde einschließt.
Für ihn (Jesus) steht der konkrete Mensch im Mittelpunkt. Überall, wo das Antlitz eines Menschen geschändet wird, ist ziviler Ungehorsam geboten. Daher kann für jeden Christen nur gelten, dass allein die Würde jedes Menschen unantastbar und heilig ist. Alle Gesetze, Gebote und Institutionen, für so »heilig« man sie halten mag, haben nur Sinn, wenn sie für den Menschen da sind und solidarische Gemeinschaft fördern. Alles andere ist höchst unheilig. Nicht der Gehorsam, sondern der zivile Ungehorsam kann heilen, denn es ist besser, ein Gesetz zu brechen als ein Herz. Heilig ist allein die Liebe zum konkreten Menschen, die uns Jesus vorgelebt hat.“
Der gesamte Artikel setzt sich – zum Teil recht polemisch – mit der katholischen Hierarchie, ihrem Umgang mit Missbrauch und vor allem dem Verbot der Abendmahlsgemeinschaft mit Protestanten auseinander. Gegen dieses Verbot hatte Hasenhüttl beim 1. Ökumenischen Kirchentag 2003 verstossen und wurde deshalb vom Priesteramt suspendiert. All dies aber ist eine ganz andere Debatte. Mir geht es um den wichtigen Gedanken, dass christliche Spiritualität nicht von der Heiligkeit von Institutionen lebt, sondern der Heiligkeit des Menschen dienen muss.
Der ganze Artikel ist zu finden unter:
http://pdf.zeit.de/2010/21/Heilig-Hasenhuettl.pdf

Kategorien:Gott, Liebe

Sehnsucht nach Liebe

Sehnsucht nach Liebe

Jeder Mensch sehnt sich nach Liebe, nach einer Liebe, die nicht an Bedingungen geknüpft ist, nach einer Liebe, die nicht immer aufs Neue gefährdet ist und nur auf Widerruf gilt. Wir spüren die Sehnsucht nach Liebe, die zu uns gehört und uns menschlich macht und zugleich erfahren wir, dass wir solche Liebe einander nicht geben können. Ja, mehr noch, wir müssen erkennen, dass je mehr wir von einander die Erfüllung unserer Sehnsucht nach Liebe erwarten, wir einander überfordern und die Liebe, die wir suchen, oft gerade gefährden. Denn dann machen wir den anderen für unsere Enttäuschungen verantwortlich, sehen sie als Zeichen, dass der andere uns zuwenig liebt oder aber, dass wir eben nicht liebenswert sind. Doch kaum etwas kann die Liebe stärker gefährden als Vorwürfe und Forderungen nach Liebesbeweisen. Liebe lässt sich nicht einfordern oder erzwingen.
Muss sich dann aber unsere Sehnsucht nach Liebe nicht auf etwas richten, das unsere menschlichen Beziehungen übersteigt? Gibt es einen solchen Ort, ein solches Wesen, eine solche Kraft, wo diese Sehnsucht nach Liebe gestillt wird, wo ich mich wirklich bedingungslos geliebt wissen darf? „Gott ist Liebe und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm“ heisst es im 1. Joh.
Unser Glaube ist Vertrauen auf eine bedingungslose Liebe, die uns von allem Anfang an und bis in alle Ewigkeit gilt, auf ein Ja, das all unserem Tun vorausgeht. Wir dürfen unser Lebensschiff festmachen in dieser Liebe. Dann wird die Liebe derer, die uns wichtig sind, entlastet davon, meine Existenz, mein Selbstwertgefühl, meinen Lebenssinn allererst begründen zu müssen. Liebe kann dann freier werden von Erwartungen und Ansprüchen. Enttäuschungen stellen dann nicht mehr alles in Frage. Und wer vom anderen nicht alles erwartet, wird freier, ihm offen zu begegnen. Glauben heisst: Vertrauen auf Gottes bedingungslose Liebe und loslassen: Erwartungen, Forderungen, Ansprüche. Wer loslassen kann, kann sich als freier Mensch auf diese Welt einlassen, auf eine Liebe die menschenmöglich ist, auf Scheitern und Neubeginn, auf dankbar erlebtes Glück und auf den Schmerz unausweichlicher Verletzungen. Wer dieser bedingungslosen Liebe vertraut, kann Liebe geben und Liebe empfangen. Und darin tun wir Gottes Willen.
Wie solche Liebe sich auf unser Leben auswirkt, das können wir nur ausprobieren und das kann jeder und jede für sein eigenes Leben nur selber entdecken. Ich möchte deshalb nur mit einigen Fragen einladen, sich auf diesen Entdeckungsweg zu begeben.
1. Angenommen, du würdest tatsächlich bedingungslos geliebt – was würde sich dadurch in deinem Leben verändern?
Wen oder was könntest du dann vielleicht in einem neuen Licht sehen? Dich selbst oder einen anderen Menschen oder bestimmte Erfahrungen, gegenwärtige oder längst vergangene?
2. Wenn Gottes bedingungslose Liebe dich tatsächlich frei machen würde, Erwartungen und Ansprüche loszulassen – welche Erwartungen und Ansprüche würdest du dann zuerst loslassen? Und wer würde das als erstes merken und woran? Woran würdest du selber erkennen, dass du loslassen kannst? Wo und wann ist dir das vielleicht schon gelungen?
3. Worin könnte sich in deinem gegenwärtigen Leben die Liebe zu Gott zeigen? Welchem Menschen möchtest du dich neu zuwenden? Welche Schritte tust du dabei konkret?

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