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Archive for the ‘Uncategorized’ Category

Frohe Weihnachten

Frohe Weihnachten und ein erfülltes Jahr 2016

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Neue Wege gehen

Überraschende Möglichkeiten entdecken

Weggefährtinnen und Weggefährten finden

Gemeinsam unterwegs sein

Miteinander gestalten und experimentieren

Fehler machen

Erfolge feiern

Ruhe geniessen

Vertrauen wagen

Niemals aufgeben

Damit werden kann was möglich ist

Und Du verbunden bleibst mit der Quelle, die Dich nährt

Das wünsche ich Dir!

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Kategorien:Uncategorized

Flüchtlinge brauchen unsere Grosszügigkeit

Nach längerer Zeit melde ich mich im Atemhaus wieder einmal zu Wort, und zwar mit meiner Predigt für den morgigen Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag, die ich zum Thema „Flüchtlinge brauchen unsere Grosszügigkeit“ halten werde. Als Bibelstellen habe ich einen Abschnitt aus dem 3. Buch Mose zugrundelegt (Und wenn ein Fremder bei dir lebt in eurem Land, sollt ihr ihn nicht bedrängen. Wie ein Einheimischer soll euch der Fremde gelten, der bei euch lebt. Und du sollst ihn lieben wie dich selbst, denn ihr seid selbst Fremde gewesen im Land Ägypten. Ich bin der HERR, euer Gott.“ – 19,33-34) und das Gleichnis vom Weltgericht aus Matthäus 25.

Liebe Gemeinde

Ethisch Wirtschaften – das ist das Thema der Bettagsbotschaft und der Bettagskollekte. Ein wichtiges Thema zweifellos. In der nächstjährigen Kampagne und Sammelperiode von Brot für Alle und Fastenopfer wird dieses Thema im Zentrum stehen. Wenn die christliche Botschaft für alle Bereiche unseres Lebens von Bedeutung ist – und davon bin ich überzeugt -, dann ist auch die Frage, wie wir wirtschaften, hier bei uns und weltweit, eine zentrale Glaubensfrage. In diesen Tagen aber beschäftigen uns alle die Bilder von Flüchtlingen, die Zuflucht suchen bei uns in Europa. Deshalb habe ich auch den kurzen Abschnitt aus dem 3. Buch Mose und den Predigttext aus dem Matthäusevangelium ausgesucht – als biblische Orientierungshilfe angesichts der gegenwärtigen Flüchtlingsnot.

In den letzten Wochen und Monaten hat sich fast unmerklich etwas verändert. Noch vor einem Jahr schien eine Haltung vorzuherrschen, die man etwa so umschreiben kann: Wir sind nicht verantwortlich für die Not der ganzen Welt. Wir müssen uns schützen vor dem Zustrom allzu vieler Flüchtlinge und Migranten. Es hat keinen Platz bei uns für die, die primär aus wirtschaftlichen Gründen flüchten. Gerade noch brannten in Deutschland Gebäude, die als Flüchtlingsunterkünfte vorgesehen waren. Und dann sahen wir plötzlich die Bilder von vollen Zügen, die von Ungarn über Wien nach München gelangten. Wir sahen die Bilder von den vielen Freiwilligen, die versuchten zu helfen, wo es nur ging, die die neu angekommenen Flüchtlinge willkommen hiessen. Und in dem durchorganisierten Land wurde plötzlich improvisiert und in dem Moment, in dem es vielleicht wirklich berechtigt gewesen wäre, von einer Flüchtlingsflut zu reden, dominierte auf den Strassen und in den Medien die Hilfsbereitschaft, die Solidarität, das Bedürfnis, Menschen in Not zu helfen. Ich weiss, dass es dann auch die Erfahrung der Überforderung gegeben hat, die Wiedereinführung von Grenzkontrollen usw. – aber diese beiden Wochenden, an denen Zehntausende von Flüchtlingen angekommen sind – und willkommen geheissen wurden, sie haben etwas verändert. Sie sind ein Hoffnungszeichen. Umso mehr als wir daneben auch die Bilder prügelnder Polizisten in Ungarn gesehen haben oder wie dort Essenspakete wie bei einer Tierfütterung in die Menge geworfen wurden, von den unsäglichen Äusserungen des Ministerpräsidenten ganz zu schweigen. Ich weiss nicht, wie es ihnen gegangen ist, aber mir ist bei diesen Bildern sofort klar geworden: ich weiss, in was für einem Europa ich leben möchte, nämlich in einem, das aussieht wie in München, wo Flüchtlinge willkommen geheissen werden und Hilfsbereitschaft erfahren und nicht in einem Europa, das so aussieht wie diese Bilder aus Ungarn.

Was sich da in der öffentlichen Wahrnehmung verändert hat, hat mehrere Ursachen. Schon die Bilder von kenternden Flüchtlingsbooten, das furchtbare Schicksal der ertrunkenen Flüchtlinge im Mittelmeer haben etwas verändert. Das Bild des ertrunkenen 3-jährigen Flüchtlingskindes Ailan an einem türkischen Strand hat viele berührt und uns fragen lassen: Ist es das was wir wollen oder zumindest in Kauf nehmen, um unsere Grenzen und unseren Wohlstand zu schützen? Und es waren wohl die Bilder dieser Menschenmengen an der ungarischen Grenze, die uns klargemacht haben: diese Menschen sind da, sie sind schon mitten unter uns und sie sind in Not. Wir müssen uns entscheiden zwischen einer Brutalität, die wir uns nicht zugetraut haben und einer Grosszügigkeit, die uns bis vor kurzem auch noch unmöglich schien.

Die beiden biblischen Texte, die wir vorhin gehört haben, geben uns in dieser Frage eine klare Orientierung. Und ich denke und hoffe, dass es auch die Stimme unseres Herzens tut. Die Antwort kann nur Grosszügigkeit sein.

Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen. Ich war nackt, und ihr habt mich bekleidet. Ich war krank, und ihr habt euch meiner angenommen. Ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen. (Mt 25,35f)

In dem Menschen, der unsere Hilfe braucht, begegnet uns Christus. Das ist kein vereinzeltes Bibelzitat. Es ist der rote Faden der Bibel, der Kern unserer christlichen Botschaft. Man kann im Christentum über vieles streiten, kann sehr unterschiedliche Glaubensansichten vertreten, aber dass wir Christus erfahren im Anruf des Anderen, in der Begegnung mit Menschen, die Hilfe und Zuwendung brauchen, gerade auch in Flüchtlingen, das können wir nur um den Preis der Selbstaufgabe zur Diskussion stellen. Am Umgang mit Bedürftigen und am Umgang mit Fremden erweist sich, wie wir Christus begegnen – viel mehr als in allen Bekenntnissen und Glaubenswahrheiten. Und auch der alttestamentliche Text aus dem 3. Buch Mose verbindet die Aufforderung, den Fremden nicht zu bedrängen und ihn wie einen Einheimischen zu behandeln, mit der Urerfahrung des Volkes Israel – „denn ihr seid selbst Fremde gewesen im Land Ägypten“. Die Erfahrung der Fremde, die Erfahrung der Befreiung und die Migration ist das Zentrum der vielbeschworenen jüdisch – christlichen Tradition. Sie ist unser Erbe, das wir niemals vergessen sollten.

Franz Hohler hat im Geiste dieser Tradition ein Flüchtlingsmanifest verfasst. Darin heisst es:

„Flüchtlinge machen uns ratlos.
Uns geht es gut, und nun kommen Menschen, denen geht es so schlecht, dass sie keinen anderen Weg sehen als ihr Land zu verlassen, und wenn es noch so schwierig ist. Der Tod, dem sie zu entkommen versuchen, lauert ihnen auch auf der Flucht auf.

Flüchtlinge machen uns Angst, denn sie kommen aus einem Elend, das uns fremd ist. Wir vergessen, dass sie es sind, die Angst haben.

Wir fühlen uns von ihnen überfordert. Wir vergessen, dass sie es sind, die überfordert sind von den Verhältnissen in ihrer Heimat und von all dem, was sie auf sich genommen haben.

Wir können uns nicht vorstellen, was es heisst, das Notwendigste zusammenzupacken und den Ort und das Haus, in dem wir gewohnt haben, zurückzulassen. Die Kinder mitzunehmen, obwohl gerade das Schuljahr begonnen hat, die Sprache zurückzulassen, in der wir zu Hause sind, der Zukunft mehr zu vertrauen als der Vergangenheit und der Gegenwart.

Für uns sind Flüchtlinge vor allem eine Bedrohung. Sie bedrohen die Selbstverständlichkeit unseres Normalbetriebs. Wir vergessen, dass sie es sind, die bedroht sind, und dass sie deshalb kommen.

Flüchtlinge machen uns hilflos, denn sie sind es, die Hilfe brauchen. Und wir wissen, dass wir sie ihnen geben könnten. Aber seit 1979 haben wir unsere Asylgesetzgebung fast 40 Mal revidiert und meistens verschärft.

Im Zweiten Weltkrieg hat sich die Schweiz mit dem Satz „Das Boot ist voll“ zu schützen versucht. Rückblickend hat sich gezeigt, dass es im Boot durchaus noch Platz gegeben hätte.

Wir dürfen diesen Satz nicht nochmals zu unserm Leitsatz machen.

Angesichts der mit Verzweifelten überfüllten Boote, angesichts der Ertrinkenden und Erstickenden gibt es nur eine Antwort: Grosszügigkeit.

Damit wir uns jetzt und später nicht zu schämen brauchen.“

(http://fluechtlings-manifest.ch/#manifest – das  Manifest kann man unterschreiben und weiterverbreiten!)

Grosszügigkeit muss unsere Antwort sein – auch wenn wir zuweilen Angst haben, dass uns diese Grosszügigkeit überfordern könnte, auch wenn manche uns als Gutmenschen verspotten, auch wenn es tatsächlich Grenzen des Machbaren und Verkraftbaren gibt und Behörden und Politik vor grossen Herausforderungen stehen. Zwei Äusserungen aus den Medien sind mir dabei wichtig geworden: IKRK-Chef Peter Maurer meinte in einem Interview auf die Frage, ob er ein Gutmensch sei: „Es ist eine Sauerei, wenn Leute, die Grundwerte der Humanität vertreten, in der Politik mit diesem Begriff stigmatisiert werden. Ich hoffe doch, es gibt insgesamt mehr Gutmenschen als andere. Ich hätte gerne viele pragmatische Gutmenschen. Leute, die den Willen haben zu helfen, aber auch die Fähigkeit zu konkreten Entscheiden.“ (Sonntagszeitung vom 12.9.15)

Und der Vorsitzende des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes hat geschrieben: „Wir Schweizer sind privilegiert. Uns geht es wirtschaftlich gut. Seit über 150 Jahren sind wir von Krieg verschont geblieben. Wenn wir jammern, dann auf hohem Niveau. Dass wir uns für die weniger Glücklichen engagieren, ist unter diesen Umständen moralische Pflicht. Wir können noch viel mehr für die Flüchtlinge tun, als wir bereits tun. Und wir sollten mehr tun. Das Boot ist nicht voll. Gerade wir Schweizer, die wir zu Recht stolz sind auf unsere humanitäre Tradition, sollten alle Flüchtlinge unabhängig von den Gründen für ihre Flucht in erster Linie als das behandeln, was sie sind: als Menschen. Sind wir ihnen gegenüber engherzig statt grosszügig, verlieren wir auch unsere eigene Würde.“ (NZZ vom 10.9.15)

Was können wir tun? Wir können Grosszügigkeit zeigen statt Engherzigkeit, ohne unsere Ängste vor den Fremden zu verdrängen und ohne die Ängste anderer zu verurteilen. Wir müssen uns nichts vormachen, die Aufgabe wird schwierig und die Flüchtlingsströme werden auch vermehrt die Schweiz erreichen. Aber sie ist notwendig und sie ist lösbar durch Grosszügigkeit und Engagement. Die Gesamtkirchgemeinde Thun hat schon eine Wohnung für eine Flüchtlingsfamilie zugesagt. Aber es wird noch mehr brauchen, mehr Wohnraum, mehr finanzielle Hilfe und das Engagement von Freiwilligen, die die Menschen, die zu uns kommen, erfahren lassen, dass sie willkommen sind und ihnen helfen, sich mit dem Leben bei uns vertraut zu machen. Dazu stärke und ermutige uns Jesus Christus, der uns in all denen begegnet, die unsere Hilfe brauchen. Amen.

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Der Islam gehört zur Schweiz

24. Januar 2015 2 Kommentare

Unter diesem Titel habe ich in der heutigen Ausgabe des Thuner Tagblatts mein Wort zum Sonntag geschrieben:

Angesichts der Anschläge auf die Charlie-Hebdo-Redaktion und einen jüdischen Supermarkt in Paris und der Terrordrohungen mit islamistischem Hintergrund in Europa, ist das keine einfache und selbstverständliche Feststellung. Aber sie ist nötiger denn je! Denn über 400‘000 Menschen in unserem Land sind muslimischen Glaubens – viele sind säkular ausgerichtet, andere leben mehr oder weniger streng nach den Regeln ihrer Religion. Sie gehören zu uns und die meisten von ihnen hegen nicht die geringsten Sympathien für islamistischen Terror und Gewalt.

Es war beeindruckend, wie klar und unmissverständlich praktisch alle muslimischen Organisationen die Anschläge in Frankreich als niederträchtig und unislamisch verurteilt haben. Dieses klare Zeichen war notwendig und wichtig. Denn jede Religion muss sich mit ihren Schattenseiten und ihrem Gewaltpotential auseinandersetzen. Wo Menschen im Namen eines Gottes Gewalt ausüben, kann diese Gewalt völlig enthemmt und gnadenlos werden. Das spricht nicht gegen Religion, aber gegen Absolutheits- und Durchsetzungsansprüche. Glaube kann nur überzeugen, niemals zwingen, sonst wird er gewalttätig. Unter dieser Voraussetzung ist Glaube für Menschen eine Heimat und eine Lebenskraft.

Gute Satire gibt die Zerrformen und den Missbrauch einer Religion durch Zuspitzung der Lächerlichkeit preis. Macht sie ganze Religionen oder Ethnien lächerlich, darf und muss dies kritisiert werden. Aber eine Religion muss Satire aushalten. Und wenn bei den Protesten im Niger die Hälfte der christlichen Kirchen in Brand gesetzt wird und zehn Menschen ums Leben kommen, dann geht es nicht um die Grenzen von Satire, sondern um ein religiöses Gewaltproblem. Auch hier gilt unsere Solidarität und unser uneingeschränktes Mitgefühl den Opfern.

Der Islam gehört zur Schweiz – nicht nur in seinen säkularen oder liberalen Ausprägungen, sondern auch in seinen konservativen Erscheinungsformen. Die Religionsfreiheit ist ein hohes Gut und sie fordert unsere Akzeptanz auch für Lebensformen und Traditionen, die uns fremd und fragwürdig erscheinen, solange sie andere in ihren Rechten und Freiheiten nicht einschränken. Akzeptanz heisst aber nicht Zustimmung. Wir sind es uns schuldig, für unsere Werte wie die Gleichheit von Frau und Mann, das Recht auf freie Meinungsäusserung, die Vielfalt der Lebensformen, das Recht auf Abkehr von einer Religion einzutreten – und zwar mit Argumenten und mit Zivilcourage. Wir können es nicht gutheissen, wenn Menschen in Gläubige und Ungläubige eingeteilt werden und den vermeintlich Ungläubigen die gleiche Würde und die gleichen Rechte abgesprochen werden.

Der Islam gehört zur Schweiz. Gewaltbereiter Islamismus aber gehört nicht zur Schweiz und religiöse Hassprediger ebenso wenig. Hier findet die geforderte Toleranz ihre Grenze und es ist notwendig, alle rechtsstaatlichen Mittel auszuschöpfen. Hier darf der Rechtsstaat nicht gleichgültig oder machtlos sein. Damit junge Muslime sich aber nicht von Hasspredigern, die ja auch im Internet zu finden sind, verführen lassen und sich radikalisieren, braucht es zuerst die Botschaft, dass der Islam zur Schweiz gehört und dass Muslime bei uns partizipieren, Lebenschancen erhalten und ihren Glauben leben können. Es darf keinen Generalverdacht gegen Muslime geben. Deshalb haben die christlichen Kirchen in Deutschland sich klar und deutlich gegen Pegida ausgesprochen und wir sollten auch dem geplanten Schweizer Ableger eine klare Haltung entgegensetzen. Die Ängste der Menschen müssen wir ernst nehmen. Zugleich müssen wir klar aufzeigen, wes Geistes Kind die Initianten von Pegida sind.

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Frohe Weihnachten

25. Dezember 2013 1 Kommentar

Ein frohes Weihnachtsfest und eine guten Start ins neue Jahr wünsche ich allen!

Weihnachtskarte 2013

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Verantwortung und Freiheit

11. März 2012 1 Kommentar

In der neuen Ausgabe der ZEIT findet sich ein interessantes Interview mit dem FDP-Bundestagsabgeordneten und württembergischen Pfarrer Pascal Kober. Es wäre wohl ein leichtes, Pascal Kober zu kritisieren. Die Tendenz zur Privatisierung sozialer Gerechtigkeit, manche geradezu rührend naive Vorstellung (wie die private Anstellung eines Arbeitslosen als Betreuer von ein paar Hühnern), die zumindest bestreitbare Darstellung des Calvinismus, etc.

Trotzdem finde ich gerade dieses Interview ein aufschlussreiches Lehrstück für den Umgang mit fremden politischen Positionen. Denn es gibt eine Alternative zum Zerpflücken und zur ätzenden Kritik: den Respekt vor der entwaffnenden Offenheit des Interviewten (der damit aber im Politikbetrieb einen schweren Stand haben dürfte) und – was mir noch wichtiger ist – die Suche nach dem, was dem Interviewten Herzensanliegen und innerster Antrieb ist. Mit dieser Haltung können wir dann durchaus erkennen, dass Kober Nächstenliebe nicht nur proklamiert, sondern sie ihm spürbar ein Herzensanliegen ist und dass er sie übersetzt in den Zusammenhang von Verantwortung und Freiheit.

Viele der Positionen von Pascal Kober sehe ich kritisch, aber was ich mir wünsche und was mir durch dieses Interview erneut bewusst geworden ist, das ist die Einsicht, dass wir nur dann gemeinsam weiterkommen, wenn wir nicht nur die Schwachstellen in anderen Positionen suchen und Debattensieger werden wollen, sondern den anderen in seinen Herzensanliegen wahrnehmen und ernstnehmen. Dann kann Respekt in der Differenz entstehen und vielleicht sogar die Erkenntnis, dass der andere mir helfen kann, einen unterbelichteten Aspekt in meinem Denken weiter zu entwickeln. Was ich nicht wohlwollend und wertschätzend verstanden habe, dass kann ich auch nicht sachgemäss kritisieren. Damit plädiere ich nicht für einen Kuschelkurs nach dem Motto „irgendwie haben wir ja alle Recht“, aber für einen Stile der Auseinandersetzung , bei dem die Wahrnehmung vor der Kritik kommt und die Kritik das Anliegen des Gegenübers nicht entwertet und vernichtet.

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1. Bloggeburtstag

27. Juni 2011 4 Kommentare

Nun gibt es den Atemhaus-Blog tatsächlich schon ein ganzes Jahr. Ich bin dankbar für die Rückmeldungen, die ich erhalten habe und freue mich auch über die stillen Leserinnen und Leser. Aus zeitlichen Gründen ist es etwas stiller geworden im Atemhaus – und wird es vorerst auch bleiben. Aber ich freue mich auf ein neues Jahr und hoffentlich auf weitere bereichernde Kontakte und inspirierenden Austausch.

Herzlich

Bernd

 

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Widerspruch, Papst Benedikt

4. März 2011 5 Kommentare

Als Vorabdruck im Feuilleton der ZEIT v. 3.3.2011 ist ein Auszug aus dem Buch „Jesus von Nazareth. 2. Teil“ von Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. zu lesen. Wie schon die Überschrift besagt, gipfeln die Erwägungen Benedikts zur Chronologie von Jesu Abendmahl in der Feststellung „Christus ist das Neue“. Er hält die johanneische Chronologie für die historisch zutreffende. Dann war Jesu Mahl mit seinen Jüngern kein jüdisches Passamahl. Vielmehr sei es ein Mahl gewesen, dass Jesus im Wissen um seinen bevorstehenden Tod mit seinen Jüngern gefeiert habe. Nach der johanneischen und laut Ratzinger auch historisch zutreffenden Chronologie, sei Jesus genau zu der Zeit gestorben als im Tempel die Passalämmer geschlachtet wurden. Daraus zieht Ratzinger weitreichende Schlüsse: „Das Wesentliche dieses Abschiedsmahles war nicht das alte Pascha, sondern das Neue, das Jesus in diesem Zusammenhang vollzog. (…) Es war Jesu Pascha.“
Auch wenn man die johanneische Chronologie für historisch zutreffend hält, lässt sie nicht derart weitgehende Schlüsse zu. Ein Hauptproblem sehe ich darin, dass hier aus historischen Argumenten vorschnell theologisch-dogmatische Folgerungen gezogen werden. Jesu Todesbewusstsein ist ein theologisches Postulat und kein historisches Faktum. Dass er für die christliche Gemeinde zum wahren Passalamm geworden ist, das ist die Deutung der christlichen Gemeinde. Implizit unterstellt Ratzinger aber, dies sei Jesu eigenes Verständnis dieses letzten Mahles gewesen, was in meinen Augen historisch unzulässig ist.
Diese Zusammenschau dogmatischer und historischer Lektüre der Evangelien war schon ein Grundproblem des 1. Teils von Benedikts Jesus-Buch. Aber hier wird diese Problematik besonders deutlich. Und sie hat Folgen: Aus Jesus, dem Juden, wird so unter der Hand ein Jesus, der seines jüdischen Kontextes beraubt, quasi zum „historischen Christus“ gemacht wird. Die Deutung seiner Person, die den Glauben der Gemeinde auf dem Hintergrund wachsender Auseinandersetzungen mit dem Judentum in der Zeit nach 70 n.Chr. spiegelt, wird in die Zeit des historischen Jesus zurückverlegt.
In meinen Augen fällt damit Ratzinger/Benedikt XVI. hinter den Stand der exegetischen Forschung und vor allem hinter den Stand des jüdisch-christlichen Dialogs zurück. Mit der Betonung des Gegensatzes von alt und neu und der Charakterisierung Jesu als das „wahre Passalamm“ kehrt das Bild einer Überwindung des Judentums durch das Christentum kaum verhüllt zurück, ein Bild , das längst überwunden schien. Es fällt schwer, darin keinen Zusammenhang mit fragwürdigen Entscheidungen dieses Papstes wie der Wiedereinführung der Fürbitte für die Juden im Karfreitagsgebet zu sehen.