Rechtfertigung in Harvard

12. November 2011 3 Kommentare

Meinem Kollegen Wolfgang Vögele verdanke ich den Hinweis auf eine spannende Rede des Schriftstellers Martin Walser. Gerne verweise ich auf seinen Blogeintrag unter dem Titel Rechtfertigung in Harvard.

Martin Walser reflektiert in seiner Rede das theologische Zentralthema der lutherischen und reformierten Kirchen – die Rechtfertigung – und er tut es als Schriftsteller, der auf anregende Weise literarische und theologische Traditionen in einen Dialog bringt.

Das ist anregend und intelligent – auch wenn man, wie ich, in vielerlei Hinsicht einen kritischen Blick auf Martin Walser werfen mag.

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Friedensnobelpreis für drei beeindruckende Frauen

Drei Frauen haben in diesem Jahr den Friedensnobelpreis erhalten. Ihre Porträts waren heute in vielen Medien zu lesen, u.a. auch in der NZZ. Leymah Roberta Gbowee ist eine liberianische Sozialarbeiterin und Kirchenpräsidentin, die auch zu aussergewöhnlichen Massnahmen in ihrem Engagement für den Frieden griff. Ellen Johnson Sirleaf aus Liberia ist die erste Präsidentin auf dem afrikanischen Kontinent. Mutig und aussergewöhnlich ist auch die dritte Preisträgerin Tawakul Karman . Sie gehört der grössten jemenitischen Oppositionspartei, einer islamistischen Partei, an, tritt aber für eine säkulare Demokratie ein und legte schon 2004 den Nikab ab.

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Gott sei Dank, dass es euch gibt!

18. September 2011 1 Kommentar

Gott sei Dank, dass es euch gibt! Das ist für mich die Kurzfassung des Textes aus dem 1. Thessalonicherbrief, über den ich heute im Gottesdienst gepredigt habe. In den Worten des Paulus: „Wir danken Gott allezeit für euch alle und gedenken euer in unserm Gebet und denken ohne Unterlass vor Gott, unserm Vater, an euer Werk im Glauben und an eure Arbeit in der Liebe und an eure Geduld in der Hoffnung auf unsern Herrn Jesus Christus.“

Gott sei Dank, dass es euch gibt! schreibt Paulus – und dann erzählt er den Thessalonichern die Geschichte ihres Glaubens: wir wissen, schreibt er, und meint damit auch: Wisst ihr noch? Und diese kleine, unscheinbare Frage ist so wichtig. Aus jeder Partnerschaft kennen wir das, wie wichtig es ist, sich von Zeit zu Zeit zu erzählen, wie das am Anfang gewesen ist, wie die gemeinsame Liebesgeschichte begonnen hat. Oder einander zu erinnern, was der andere einem in dieser oder jener Situation bedeutet hat, von schönen gemeinsamen Erlebnissen und beglückenden Erfahrungen. „Weisst du noch?“ – diese Frage hilft uns, einander und vor allem das Gemeinsame und Verbindende nicht aus dem Blick zu verlieren. Im Glauben ist es eigentlich genauso. Weisst du noch, wie damals das Gebet deiner Mutter am Bett dich in Frieden hat einschlafen lassen? Weisst du noch, welche Menschen für dich vorbildlich im Glauben waren? Erinnerst Du dich noch daran, wo dein Glaube dich durch eine schwierige Zeit hindurch getragen hat? Spürst du noch die Dankbarkeit, die dich bei einem Sonnenuntergang oder auf einem Berggipfel erfüllt hat, dieses Gefühl, dass du all dies einer wunderbaren Schöpferkraft zu verdanken hast? Solche Erinnerungen in unserer Glaubensgeschichte helfen uns, das Wesentliche nicht aus dem Blick zu verlieren.

Die ganze Predigt ist hier zu lesen.

Mystik der offenen Augen

3. September 2011 9 Kommentare

Diesen Titel des neuen Buches des katholischen Theologen Johann Baptist Metz finde ich wunderbar. Lesenswert ist auch eine Rezension von Jan-Heiner Tück zu diesem Buch in der Wochenendausgabe der NZZ. Daraus einige bedenkenswerte Aussagen:

„Gegen Formen neuer Religiosität, die eine Art Wellness der Seele anbieten, setzt Metz eine biblisch inspirierte Mystik der Gerechtigkeit. Mystik – das ist für ihn keine meditative Technik der geschlossenen Augen, sondern eine messianische Praxis der Nachfolge, die sich den Blick Jesu für die Armen und Leidenden zu eigen macht. Nicht um aufregende spirituelle Selbsterfahrungen geht es in dieser «Gottesleidenschaft in Mitleidenschaft», sondern um Solidarität mit den Mitmenschen. Den Liebhabern der Zenmeditation hält Metz die unbequeme Frage vor, wie sie es mit dem Einsatz für andere halten. Er mutmasst, dass fernöstliche Spiritualität das fromme Subjekt am Ende in einer subjekt- und geschichtsfernen Alleinheit aufgehen lässt, die für das Antlitz der andern keine Augen mehr hat. (…)

Für seine Mystik der offenen Augen knüpft Metz an die Psalmen, das Buch Hiob, die Klagelieder, aber auch den Verlassenheitsschrei Jesu am Kreuz an; er plädiert dafür, auch heute den Schmerz der Negativität stärker in die Gebetssprache zu integrieren. Der hohe Ton der offiziellen Liturgiesprache müsse durch mehr «Karsamstagssprache» aufgeraut werden, um Erfahrungen der Trauer, der Angst und der Schuld Raum zu geben. In der Tat können Artikulationen von Freude und Dank zur hohlen Phrase verkommen, wenn sie die Wirklichkeit von Leid und Schmerz ausblenden. Indem Metz den Blick auf die Leidenden und Übersehenen lenkt, schärft er das Bewusstsein für das, was fehlt. Sein Einspruch gegen das mitleidlose Vergessen speist sich ausser aus biografischen Erfahrungen aus dem Hunger nach Gerechtigkeit. Darin ist er im besten Sinne biblisch.“

Unser Lebenshaus bauen II

28. August 2011 2 Kommentare

Am Ende der Bergpredigt Jesu im Matthäusevangelium Kap. 7 heisst es: „Jeder, der diese meine Worte hört und danach handelt, ist einem klugen Mann gleich, der sein Haus auf Fels gebaut hat.“ Unser Leben als ein Haus, das auf Felsen gebaut ist und in allen Stürmen Bestand hat – dieses Bild spricht eine tiefe Sehnsucht in uns an. Je stärker unser Leben von Erfahrungen des Wandels und der Instabilität geprägt ist, desto mehr sehnen sich viele Menschen nach Stabilität, Halt und Sicherheit. Gerade darin liegt aber auch das Gefährliche dieses Bildes. Es könnte die falsche Illusion wecken, es gäbe eine Möglichkeit, den Wandel und die Instabilität einfach aufzuhalten. Und dann bauen wir unser Lebenshaus statt auf felsigem Grund auf falschen Sicherheiten.

Wir können den Grund unseres Lebenshauses nicht selber legen. Den felsigen Grund unseres Lebenshauses finden wir vor. Es ist nichts, was wir selber machen können, aber es ist auch keine Lehre oder Ideologie, in die wir uns bedingungs- und gedankenlos einfügen sollen. Ich sage das so betont, weil auch heute noch viele Menschen den christlichen Glaubensgrund mit einer feststehenden Lehre, mit einer Art Ideologie verwechseln.

Der Glaubensgrund, von dem Jesus redet, ist mehr ein Weg, der zu gehen ist, als ein Standpunkt, den wir einnehmen können. Jesus sagt: „Jeder, der diese meine Worte hört und danach handelt, ist einem klugen Mann gleich, der sein Haus auf Fels gebaut hat.“ Es geht ums Hören und Tun – nicht ums Jasagen. Und das, was zu hören und zu tun ist, das sind die Worte der Bergpredigt. Es geht um die Frage: in welchem Geist, in welcher Grundhaltung können wir eigentlich gut und sinnvoll leben. Und da hat die Bergpredigt in der Tat einiges zu bieten: Sie nennt die Menschen glücklich, die wir nicht unbedingt als erstes so bezeichnen würden – die Armen, die Trauernden, die Gewaltlosen, die Barmherzigen, die Friedensstifter. Sie fordert auf zum radikalen Verzicht auf Gewalt und Vergeltung. Sie lädt uns ein zum vertrauensvollen Beten zu einem Gott, der sich Vater nennen lässt. Sie führt plastisch vor Augen, dass der, der sein Leben auf seinen Besitz, sein Planen und Sorgen gründet, davon abhängig wird und sich sogar zum Sklaven machen kann. Sie lädt ein zur Grosszügigkeit und Barmherzigkeit gegenüber allen Menschen und fasst all dies zusammen in der goldenen Regel: „Wie immer ihr wollt, dass die Leute mit euch umgehen, so geht auch mit ihnen um.“ Das alles mag sich nicht nach einem stabilen Felsen anhören und doch gibt es unserem Leben mehr Stabilität und Grund als so vieles, von dem wir uns gewöhnlich Halt und Sicherheit versprechen.

Was wir brauchen ist ein Grundvertrauen in das Leben, das nicht von uns selbst abhängig ist. Dafür steht in unserem Glauben Gott ein, Gott, der Liebe ist und unser aller Leben hält und trägt. Was wir brauchen ist eine Ehrfurcht vor allem Lebendigen und eine Liebe zum Leben, die sich in Barmherzigkeit und Grosszügigkeit uns selbst und andern gegenüber zeigt. Haben wir nicht schon zu oft erfahren, dass die sogenannten harten Fakten das Leben eben eher hart als stabil und verlässlich machen? Könnte es nicht sein, dass es letztlich wirklich die weichen Dinge sind, die unser Leben kostbar machen und uns Halt und Sicherheit geben, die Achtsamkeit, die Fürsorge, die Liebe und vor allem das Vertrauen, das Vertrauen in den göttlichen Grund des Lebens und das Vertrauen ineinander?

Die vollständige Predigt ist zu lesen unter http://predigtkiste.blogspot.com/2011/08/predigt-zu-matth-724-27-am-28-august.html.

Unser Lebenshaus bauen

17. August 2011 2 Kommentare

Wer sein Leben auf das Vertrauen gründet,

dass in allem Gottes gute Hand ihn leitet,

der wird erschüttert werden,

aber nicht fallen.

 

Wer sein Leben auf die Hoffnung gründet,

dass auf das Dunkel der Nacht ein neuer Morgen folgt,

der wird Grund zum Klagen haben,

aber er wird nicht aufgeben.

 

Wer sein  Leben auf die Liebe gründet,

die niemanden aufgibt,

der wird Enttäuschungen erleben,

aber er wird reich beschenkt werden.

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Menschen brauchen Anerkennung und Wertschätzung

14. August 2011 1 Kommentar

Menschen brauchen Anerkennung und Wertschätzung. Jeder von uns will mehr als nur eine Nummer sein.  Dafür tun Menschen viel und oft auch recht fragwürdige Dinge. Das zeigt schon eine gelegentlicher Blick in die Medien oder etwas Aufmerksamkeit im Alltag.

Wer bin ich? Wo ist mein Platz? Was bin ich wert? Anerkennung und Ablehnung, die wir erfahren, Wertschätzung und Abwertung spielen eine entscheidende Rolle, wie wir all diese Fragen für uns beantworten. Jeder von uns möchte in seiner individuellen Eigenart und Besonderheit wahrgenommen und gewürdigt werden. Niemand möchte einfach eine Nummer sein – und das zu Recht! Das macht uns so empfindsam für die Erfahrung, nicht gewählt zu werden, für die Abwertung, die wir durch andere erfahren. Und das führt bei vielen dazu, dass sie das Leben als einen einzigen Existenzkampf ansehen, bei dem es gilt, sich zu behaupten, sich Anerkennung und Respekt zu verdienen und sich gegen andere durchzusetzen.

Um Erwählung und Wertschätzung geht es auch im heutigen Predigttext aus dem 5. Buch Mose. Er zeigt uns, dass bei Gott Wertschätzung nicht auf Leistung beruht, sondern auf bedingungsloser Liebe. Wir können und müssen uns Gottes Wertschätzung nicht verdienen. Als Menschen, die von Gott wert geschätzt sind, können wir uns aber bemühen, nach seinem Willen zu handeln. Und ich denke, dass das im Kern bedeutet: anderen mit Wertschätzung zu begegnen, diese Wertschätzung auch zu zeigen.

Was würde sich wohl verändern, wenn wir im Alltag nicht so sehr auf die Fehler und Schwächen unserer Mitmenschen achten würden, sondern auf ihre Stärken und Begabungen? Was würde geschehen, wenn wir uns etwas öfter die Mühe machten, jemandem zu sagen, was wir an ihm schätzen? Wieviel könnte gelegentlich ein einfaches Merci oder „Das ist eine gute Idee“ oder „schön das du bei uns bist“ bewirken? Wie oft wäre es auch möglich, zuerst zu würdigen, was gut ist, bevor wir kritisieren, was noch besser sein könnte? Wir können einander ermutigen und wir können einander entmutigen. Und manchmal ist es die schlimmste Entmutigung, dass wir einander gar nicht mehr richtig wahrnehmen oder es einander nicht zeigen. Darum: auf jedem von uns ruht Gottes wohlwollender Blick, jedem von uns gilt Gottes Anerkennung und Wertschätzung. Geben wir sie weiter. Blicken wir einander wohlwollend an und sagen einander, was wir schätzen – ohne Heuchelei, aber auch ohne falsche Sparsamkeit.

Die ganze Predigt ist hier zu lesen.

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Verzeihen befreit

16. Juli 2011 1 Kommentar

Der Predigttext für diesen Sonntag ist der Abschluss der Josefsgeschichte aus der Genesis. Die Josefsgeschichte ist ein grossartiges Stück Literatur und hat nicht umsonst Thomas Mann und andere inspiriert. Der Abschnitt Gen 50,15-21 ist die zweite Versöhnungsszene zwischen Josef und seinen Brüdern. Kaum ist der Patriarch unter der Erde, da liegen die Nerven bei den Brüdern Josefs schon blank. Jetzt, wo der Vater Jakob nicht mehr lebt, trauen sie der ersten Versöhnung nicht mehr – nach allem, was sie Josef angetan haben. Und es ist eine Erfahrung, die mancher wohl schon gemacht hat, wenn uralte und nicht wirklich bereinigte Konflikte in einer Familie schwelen. Vielleicht wurden sie um der Eltern willen mühsam im Zaum gehalten, aber gelöst wurden die Konflikte dadurch nicht. Und wenn eines Tages die Eltern nicht mehr da sind, dann kann es passieren, dass die ungelösten Konflikte und Verletzungen mit aller Macht wieder aufbrechen.

Josef aber nimmt seinen Brüdern die Angst. Gott hat das Böse, dass sie ihm angetan haben, zum Guten gewendet. Josef kann verzeihen, weil das erlittene Unrecht und die Demütigungen keine Macht mehr über ihn haben. Das zieht sich in meinen Augen wie ein roter Faden durch die ganze Josefsgeschichte: dieser Josef ist einer, der sich niemals durch das bestimmen lässt, was ihm angetan wurde. Er lässt sich nicht auf die Opferrolle reduzieren. Er nimmt trotz allem, was man ihm angetan hat und wie übel ihm auch mitgespielt wurde, immer wieder sein Leben in die Hand und nutzt seine Möglichkeiten. Damit Gott aus dem Bösen in seinem Leben etwas Gutes machen kann, dazu braucht es auf Josefs Seite die Bereitschaft, nicht nur mit seinem Schicksal zu hadern, sondern die Möglichkeiten, die sich ihm trotz allem eröffnen, auch zu ergreifen.

Es ist nicht so sehr die moralische Botschaft, dass wir das Böse, das uns angetan wird, verzeihen sollen, um die es hier geht – auch wenn das zweifellos richtig und wichtig ist. Und es ist auch nicht allein die Hoffnungsbotschaft, dass wir darauf vertrauen dürfen, dass Gott auch aus dem Schwierigen und sogar dem Bösen in unserem Leben etwas Gutes entstehen lassen kann – die ebenso zutreffend ist. Das Entscheidende sehe ich aber in der Botschaft, dass wir uns nicht bestimmen lassen müssen von dem, was andere aus uns machen oder uns antun, weil letztlich Gott über unser Leben bestimmt. Verzeihen ist in der Josefsgeschichte nicht so sehr eine moralische Verpflichtung, sondern die grossartige Erfahrung einer befreienden Kraft. Die Frage ist nicht, ob wir verzeihen müssen, sondern ob wir verzeihen können. Das macht einen riesigen Unterschied.

Es ist so verführerisch einfach, für viele Dinge in unserem Leben erlittenes Unrecht und von anderen zugefügtes Leid verantwortlich zu machen. Und es mag dafür auch gute und durchaus berechtigte Gründe geben. Aber es bringt uns keinen Schritt weiter und kann uns blind machen für das, was an Gutem in unserem Leben heranwachsen und gedeihen will. Es verstärkt den Groll auf die, die uns etwas angetan haben und hält uns zugleich im Bann ihrer Macht. Josef steht immer wieder auf seine Füsse statt nur mit seinem Schicksal zu hadern. Das gibt ihm eine Stärke, die auf Gottvertrauen und Souveränität gründet und sich nicht gegen andere oder auf Kosten der anderen durchsetzen und beweisen muss. Weil er sein Leben nicht vom erlittenen Unrecht bestimmen lässt, kann er dieses Unrecht dann auch verzeihen. Er muss es nicht rächen, aber er muss es auch nicht verdrängen oder den Schmerz leugnen, der immer noch damit verbunden ist.

Ich denke, diese Botschaft hat ihre Bedeutung auch für Familienkonflikte in unserer Zeit. Je mehr wir sie zum Erklärungsmuster für unser Leben machen, umso mächtiger werden sie und es bleibt kein Spielraum, um wirklich zu verzeihen. Wenn wir sie verdrängen, brechen sie irgendwann wieder auf. Der einzig gangbare Weg ist, dass wir Konflikte und Verletzungen wahrnehmen und annehmen als einen Teil unseres Lebens, unserer Geschichte, der zu uns gehört und uns dennoch nicht davon bestimmen lassen. Wir können Dinge nicht wirklich verzeihen, solange sie uns noch vollständig im Griff haben. Aber es ist auch eine Frage unserer Lebenshaltung, ob wir zumindest versuchen, uns nicht von Vergangenem vollständig beherrschen zu lassen. Und wenn wir dann verzeihen können, dann ist das zuallererst für uns selber eine befreiende Erfahrung, wie ein Joch, das wir abgeworfen haben. Ein Verzeihen, dass die Verletzungen nicht verdrängt, unterbricht das zermürbende Hin und Her von Vorwürfen und Rechtfertigungen und kann die Angst vertreiben, die Menschen zugleich aneinander kettet und voneinander trennt. Von Gott dürfen wir die Kraft zum Verzeihen erbitten und das Vertrauen, dass weder unsere Schuld noch erlittenes Unrecht unser Leben bestimmt, sondern Gott, der auch aus dem Bösen Gutes hervorbringen kann.  

Die ganze Predigt ist hier zu lesen.

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Atheisten sind auch bloß Menschen

2. Juli 2011 3 Kommentare

Wenn einer im Lead als „Indiens populärster spiritueller Lehrer“ tituliert wird, bin ich von meinem Temperament her zuerst einmal skeptisch. Aber dieses Interview in der ZEIT ist unbedingt lesenswert. Als Einstimmung ein paar Spitzensätze. Auf die Frage welcher Teil seiner Lehre auch für Atheisten passe, antwortet Sri Sri Ravi Shankar: „Jeder atmende und denkende Mensch kann von unserer Atemtechnik profitieren. Atheisten sind auch bloß Menschen. Auch sie suchen letztlich Frieden, wollen geliebt werden und lieben, sorgen sich um den Planeten. Sie glauben an sich selbst und an die Welt. Der Glaube ist der Punkt, wo Atheisten und Gläubige sich treffen.“ Spiritualität umschreibt er als „die Überzeugung, dass Gott keine abstrakte Idee, sondern eine Erfahrung des Herzens ist. Wenn Religion keine Suche ist, wenn sie sich der Vernunft verschließt und wissenschaftliches Denken ablehnt, dann verengt sie sich.“ Und auf die Gemeinsamkeiten mit einer evangelischen Theologin in einem Podiumsgespräch angesprochen, antwortet er: “ Aber natürlich ist Gott stets derselbe, egal, wie wir ihn nennen. Er ist omnipotent und omnipräsent. Er zeigt sich in der Schöpfung und in jedem Menschen, auch in Ihnen und in mir. Die äußeren Erscheinungen mögen unterschiedlich sein, aber die innere Essenz ist gleich.“ Nachdenkenswert!

1. Bloggeburtstag

27. Juni 2011 4 Kommentare

Nun gibt es den Atemhaus-Blog tatsächlich schon ein ganzes Jahr. Ich bin dankbar für die Rückmeldungen, die ich erhalten habe und freue mich auch über die stillen Leserinnen und Leser. Aus zeitlichen Gründen ist es etwas stiller geworden im Atemhaus – und wird es vorerst auch bleiben. Aber ich freue mich auf ein neues Jahr und hoffentlich auf weitere bereichernde Kontakte und inspirierenden Austausch.

Herzlich

Bernd

 

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