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„Ich bin im Kerker als Fussballer auferstanden“

Dieser Satz stammt aus einem Beitrag von Bartholomäus Grill, der in der ZEIT Nr. 27 v. 1.7.2010 erschienen ist und im Internet  bei profil.at (http://www.profil.at/articles/1023/560/270725/das-glueck-5760-minuten) nachzulesen ist. Er stammt von Mark Shinners, einem Apartheidsgegner, der 22 Jahre auf der Gefangeneninsel Robben Island zubringen musste, wo auch Nelson Mandela inhaftiert war. Ihm war es zusammen mit anderen Häftlingen gelungen, nach zahlreichen erfolglosen Versuchen von der Gefängnisleitung eine Spielgenehmigung für Fussballspiele zu erlangen. Der erste Ball war aus Putzlappen zusammengeflickt, doch mit der Zeit entstand auf Robben Island eine dreizügige Liga mit 21 Mannschaften, die nach den Fifa-Regeln spielten.

Grill schildert, wie die Gefangenen auf der Kerkerinsel seelisch gebrochen werden sollten und von den Wärtern nur als dreckige Kaffern angesehen wurden. 1000 Häftlinge schauten beim ersten Spiel im Dezember 1967 zu. Nelson Mandela wurde dies als Schikane der Gefängnisbehörde verboten, die unablässig versuchte, wie Mandela  in seiner Autobiographie schreibt (zit. nach Grill), „jenen Funken auszutreten, der jeden von uns zu Menschen macht“.

Für Shinners war der Fussball das Gegenmittel, das diesen Funken am Leben hielt. Und mit der Zeit verschaffte dies den fussballspielenden Häftlingen auch etwas mehr Respekt bei den Wärtern und das Spiel stärkte ihre Widerstandskraft und gab ihnen innere Freiheit. Diese Erfahrung führt Mark Shinners zu dem Satz: „Ich bin im Kerker als Fussballer auferstanden.“

Jenseits aller theologischen Diskussionen um den Auferstehungsglauben ist das für mich eine beachtliche Auferstehungsbotschaft. Könnte es sein, dass wir erst dann erahnen können, was Auferstehung meint, wenn wir sie zuerst einmal mit solchen Alltagserfahrungen verbinden? Wenn ich die Geschichte von Mark Shinners lese, dann kommt mir die Aussage, dass die Kraft der Auferstehung im Fussball erfahrbar ist, gar nicht mehr so verwegen vor.

Alles, was wir mit Leidenschaft tun, was uns mit Sinn erfüllt und Lebensfreude schenkt, unsere Widerstandskräfte stärkt, lässt uns ein Stück Auferstehung erfahren.  So ist es zunächst einmal nicht entscheidend, was wir über das Leben nach dem Tod denken, sondern ob wir überhaupt an das Leben glauben und auch unter widrigen Umständen Sinnerfahrungen machen können, ob es für uns etwas gibt, für das es sich zu leben lohnt. Dann ist es nur noch ein kleiner Schritt zu dem Vertrauen, dass das Leben bleibt und dass unsere Zeit in Gottes Händen steht und da etwas ist, das bleibt, auch wenn unser Leben vergeht. Ohne solche Erfahrungen aber bleibt die Auferstehungsbotschaft eine leere Behauptung, über die man zwar disputieren, mit der man andere zu Ketzern erklären kann, die aber letztlich kraftlos bleibt.