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Banalisierung religiöser Symbole

26. November 2010 1 Kommentar

Unter dem Titel „Das Abendmahl als Lachnummer“ schreibt der Theologe und ehem. Bischof von Berlin-Brandenburg und Ratsvorsitzende der EKD in der neuen Ausgabe der ZEIT (Nr. 48 v. 25. November) über die Verhöhnung dessen, was Christen heilig ist, in zeitgenössischen Operninszenierungen. „Der bewusste Tabubruch trägt seinen Wert anscheinend in sich selbst. Die Banalisierung religiöser Symbole ist keineswegs auf eine plausible Interpretation angewiesen“, schreibt Huber.

Es ist schon auffällig, dass einerseits mit der Begründung der Religionsfreiheit religiöse Symbole aus der Öffentlichkeit verdrängt werden, und gleichzeitig religiöse Symbole unter dem Vorzeichen hoher Kultur verhöhnt werden. Wohlgemerkt – ohne jegliche aufklärerische Absicht, sondern primär um den Unterhaltungswert zu steigern. Religionssatire als Angriff auf religiöse Bevormundung und religiöse Selbstverabsolutierung hatte ihr Recht und hat es heute noch, wo sie in aufklärerischer Absicht erfolgt. Es gibt durchaus auch heute noch Anlässe, religiöse Tendenzen mit Tabubrüchen zu entlarven. Und – wie Ulrich Schnabel einmal geschrieben hat – ist es nicht das schlechteste Kriterium, eine Religion daran zu messen, ob sie auch über sich selber lachen kann. Das ist aber etwas völlig anderes als die Verhöhnung dessen, was Menschen heilig ist.

Huber hat durchaus Recht, wenn er feststellt, dass heilig das Gegenteil von egal ist und Christen auffordert, ihre eigenen religiösen Überzeugungen und Gefühle wieder ernst zu nehmen. Dann könnte eine neue Diskussion in Gang kommen, was Menschen heilig ist und mit Respekt behandelt werden sollte. Und diesen Respekt einzufordern ist keinesfalls Humorlosigkeit, sondern sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Dabei geht es nicht um neue rechtliche Regelungen oder Blasphemieparagraphen. Worum es mir geht, ist ein Nachdenken über eine angemessene Kultur des Umgangs mit religiösen Symbolen und religiösen Gefühlen. Treffend schliesst Huber: „Der Islam kann schliesslich nicht zur einzigen Religion werden, mit der man in Deutschland respektvoll umgeht – und das auch noch aus Angst.“

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